Schlaf gut!

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Ich schlafe antizyklisch. Während ich normalerweise nachts meist aufwache um Wörter zu sammeln und zu sortieren, schlafe ich nun bei der Hitze durch.

Es ist Sommer, die Nächte sind heiss und lassen die Menschen nackt zu Bett gehen, wo sie vergeblich versuchen in den Schlaf zu finden, während ihnen der Schweiß samt Laken am Rücken klebt. Die Musik des Lebens besteht derzeit aus dem Summen von Stechmücken, nächtlichen Saufgelagen auf den Straßen und wummernden Bässen aus vorbeifahrenden Cabriolets.

Wer es sich leisten kann, kühlt sich vor dem zu Bettgehen in einem Straßencafe mit einem Aperitivo das Gemüt herunter und geniesst die stehende Luft unter einem dieser Sonnenschirme mit der Weißbierreklame. Man prostet sich schick zu und freut sich, doch nicht nach Mallorca geflogen zu sein, wo es hier doch genauso schön ist. Dass es nicht nach Meer riecht sondern nach einem bunten Strauß von Dönerbude, Pizzaladen und Städtische Müllabfuhr – egal. Hier will ich sein, hier bin ich Mensch.

Ich selbst aber liege im Bett und schlafe einfach ein. Tief und fest, ohne auch nur einmal wach zu werden. Erst Stunden später komme ich zu mir, wenn die Sonne längst wieder begonnen hat, die Menschen zu kochen.

Und die Worte, welche ich so dringend für meinen Blog benötige? Weg. Wie eine Buchstabensuppe rinnen sie mir über die Stirn – unsortiert, verkocht. Eben alles andere als „al dente“. Während sich ganze Großstädte wieder in überdimensionierte Backofen verwandeln, bleiben bei mir die restlichen Worte an der Innenseite meiner Schädeldecke kleben, wie der heisse Asphalt an meinen Schuhen. Mein Hirn ist ausgetrocknet. Da wirkt selbst Kaffee nur wie ein Tropfen auf einen heißen Stein.

Macht nichts, ich habe gut geschlafen. Ich hoffe, Ihr auch.

Oliver 2.0

Kurzgeschichten selbstgespräche

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

6 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Super, dass du schlafen kannst.
    In einer Großstadt möchte ich nicht leben.
    Werde ich auch nicht.
    hier lässt es sich immer noch irgendwie aushalten. Obwohl, auf einer Seite vor Häusern hergehen, wo den ganzen Tag die Sonne drauf brannte, das merkt man gewaltig.
    Wir haben im Schlafzimmer hinten auf der Fensterbank einen Tower-Ventilator der bringt die kühle Luft über uns, nicht direkt auf uns.
    So können wir auch schlafen.

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  2. Echt geniale Formulierung – die restlichen Worte, die an der Innenseite deiner Schädeldecke kleben bleiben – so habe ich das bisher noch nirgendwo gelesen; faszinierend, ausgedrückt. I like your style…
    Ich finde deinen Blog wirklich lesenswert; weiter so!
    Gruß
    Lillynet

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