Wut…

Die Kirche wenigstens in dem Dorf zu lassen, durch welches immer wieder irgendwelche Säue getrieben werden – das ist nicht das Ding der Deutschen. Nein. Alles läuft nach Vorschrift. Alles.Zum Beispiel darf der  Tierarzt zur Zeit keine Hausbesuche machen. Er darf es nicht mal um ein leidendes Tier zu erlösen. Das Gesetz verlangt es, dass man das Tier durch die Gegend fährt, um es in die Tierklinik zu bringen. Dort darf vorschriftsmäßig nur eine Begleitperson mit hinein um dieses, nun verängstigte und geschwächte Tier zu erlösen. Erlösen? Erlösen ist was anderes als das was wir erlebt haben.

Mit diesen Horrorbildern im Kopf, die Augen von Tränen überschwemmt, rast man dann wieder über die Autobahn, da das Krematorium pünktlich schließt. Das wird einem natürlich extra nochmals verdeutlicht. „Wir wußten nicht dass es beim Tierarzt weit über eine Stunde dauert…“. „Beeilen Sie sich, dann schaffen Sie das.“

Dort angekommen, öffnet sich ein riesiges Rolltor. Dahinter erscheinen zwei Maskierte wie in einem schlechten SF-B-Movie und nehmen das Tier in Empfang. Gesetzteskonform natürlich. Keine Zeit des Abschieds. Die Maskierten verschwinden, das Rolltor senkt sich mit einem scharfen metallischen Kratzen.

Alleine. Man steht alleine zu zweit da, ohne Lilly. Vor einem dieses dunkle Rolltor, darüber ein hochragender Kamin, hinter uns die Horrorbilder aus der Tierklinik.

Eine andere Tür öffnet sich. Formalitäten. „Ja“, „Hab ich verstanden“, „Ja, „Montag, ja“, Vorschrift, verstehe“, „Ja, Gesetz“.

Das Wochenende verlief gar nicht vorschriftsmäßig. Das deutsche Gesetz hat hier eine Lücke, was Schmerzen und Trauer betrifft.

Montag: Wir rufen nicht zurück – gegen die Anweisung.

Dienstag: „Nein, Sie können nicht dabei sein“, „Nein Sie dürfen Ihren Hund nicht nochmals sehen!“, „Sorry, Vorschrift“, „Auflagen vom Gesetzgeber“, „Tut mir leid“, „Ich muss mich und meine Mitarbeiter schützen“, „Auch nicht mit Mundschutz.“

Ist doch nur ein Tier? Ja war es. Und zwar eines mit Herz. Mit viel Herz!

Oliver 2.0

 

14 Kommentare zu „Wut…

  1. So oder so ähnlich läuft es aber zur Zeit auch zwangsläufig, wenn ein Angehöriger im Pflegeheim verstirbt. Keine Sterbebegleitung, kein letztes Abschiednehmen, kein Trauergottesdienst, Beisetzung mit maximal 10 Angehörigen…….
    Das soll Eure Erfahrung nicht mindern, aber es zeigt, in was für einer unwirklichen Welt wir alle gerade leben:
    Weil alle mit der Situation überfordert sind, weil alle Angst haben vor dem was kommt.
    Was macht das mit den Hinterbliebenen?

    Bleibt alle hoffentlich gesund und passt auf euch auf.
    Britta

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  2. Ich habe keine Worte um es euch irgendwie weniger weh zu tuen. Ich Trauer mit euch und sende euch hugs and kisses. Love you dearly ❤️ Tante Karin

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  3. Der arme ist jetzt verstört, kann ich mir denken, er hat ja mit ihr seine Zeit verbracht. Und wenn man sich nicht verabschieden kann, ist man traurig, ob Hund oder Mensch. Unser alter Hund ist schon 17 Jahre
    Ach, es ist einfach traurig Oliver

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  4. Es tut weh einen geliebten Begleiter zu verlieren, immer! Der Zeitpunkt ist immer falsch. Und auch wenn man schon lange weiß, dass der Tag näher rückt, er kommt trotzdem überraschend. Jeder der Tiere hat weiß das und kennt den Schmerz. 😥 Ich weiß nicht mehr wie oft ich mir schon die Augen aus dem Kopf geheult habe. Und ich fürchte mich schon vor dem nächsten Mal, auch wenn aktuell kein Anlass dazu besteht.
    Es tut mir sehr leid, dass es in der aktuellen Situation alles andere als gefühlvoll für euch ablief. Behaltet euren Schatz trotzdem in liebevoller Erinnerung und tröstet den Franzosen mit noch ein wenig mehr Zuwendung. ❤️ Trotzdem noch schöne Ostern!

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  5. N’Abend
    So handelt man heute wenn’s um Tiere geht.. Bei Menschen ist es nicht anders, ob lebend, sterbend oder tot. Es sei denn man hat Glück und kommt an gute Menschen, doch die sind rar. Mich wundert heute nichts mehr. Rund um’s Kind versagt das Gesetzt, Ämter, Behörden,.. wenn in der Gesellschaft sogar der schwächste Part des Menschen, Kinder nicht mal Schutz genießen und Rechte nach Auslegung deformiert werden, wie es jmd passt.. was gibt es zu erwarten.. auf Ebene EU ist es noch katastrophaler. Die Gesellschaft und ihr Gesetz ist schräg und entwickelt sich absolut negativ. Tut mir sehr leid für eure Erfahrung. Menschlichkeit löst sich bei solchen Verhaltensweisen auf, aber „die“ merken das leider nicht, was sie tun.
    Mein Beileid selbst so lange Zeit danach: es stimmt einen sprachlos.
    N8 Eure Julija

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