Gedankenkarussell.

Ein wenig verspätet erwacht mein Hirn aus dem Schlaf… 3:09 Uhr. Trotz des Lärms in meinem Innern kommt es nur langsam zu sich. Gemächlich streckt es sich unter der Bettdecke, dehnt jede einzelne Synapse bis sie kracht und fängt allmählich an, zu arbeiten. Dabei ist im Hirn längst schon einiges los.

Deutlich ist die Geräuschkulisse eines Jahrmarkts zu vernehmen. Und je mehr das Hirn erwacht, umso lauter wird es.
Dort wo normalerweise Gedanken entstehen und Worte ruhen, ist quasi über Nacht ein riesiger Rummelplatz aufgebaut worden… so richtig mit Karussells, Achterbahnen und Schießbuden. Vor letzteren tummeln sich viele Worte und drängen darauf, ebenfalls schießen zu dürfen.
Ich schau neugierig in mein Hirn und werfe einen Blick in den Stand. Es sind nicht die normalen Schießscheiben. Ich erkenne einige der vielen Plakate, die derzeit die Straßenränder säumen. Von jedem grinst einem irgendein Politikergesicht an, gerade so als wäre es wert, öffentlich gezeigt zu werden. Heutzutage sogar ohne einen schlauen Spruch- eben nur das Gesicht mit einem Grinsen, welches absolut bedeutungslos ist. Achja, bald sind Wahlen… „Huhu! Hallo, hier bin ich!“
Ich drehe meinen Kopf Richtung Achterbahn. Ein Wort sitzt dort im Wagen und reißt die Hände juchzend in die Höh, als es den bunten Achterbahnwagen in die Tiefe reißt. WAHLKAMPF heißt das Wort. Hier steckt es also. Hab mich schon die ganze Zeit gewundert, wo sich der Walkampf aufhält. Einen solchen habe ich bislang nämlich noch nicht mitbekommen. Peinlichkeiten ja, Wahlkampf nein. Naja, ich glaube Frau Merkel ist auch zur Zeit damit beschäftigt, ihre Zugangsdaten in den Computer einzutippen, damit sie mal ins Internet kommt.
Wieder jubiliert der WAHLKAMPF- es geht durch den Looping.
Ich schlender weiter durch mein Hirn und greif mir eine Zuckerwatte, als ich plötzlich auf einer Parkbank eine mollige Frau mit dunkelfarbiger Haut erblicke. Schluchzend und heulend sitzt sie da und jammert irgendwas von einer Handtasche. Freundlich frage ich, wo sie denn die Tasche zuletzt hatte. Da bricht die gepflegte Dame vollends in Tränen aus und faselt irgendwas von Zürich.
Schnellen Schrittes geh ich weiter und wunder mich, was die in meinem Kopf zu suchen hat. Achja, die Handtasche.
Vor mir höre ich laute Musik. Das Kettenkarussell hat angehalten und die Worte setzen sich in die kleinen Gondeln. Ein Platz bleibt frei. Aufgeregt winken mich die Worte herbei. Genüsslich setze ich mich auch in solch einen Sitz. Eine Sicherung suche ich vergebens. Da geht es aber auch schon los. Erst dreht sich das Karissell langsam, um dann aber immer schneller zu werden. Die Worte um mich herum schreien vor Freude. Die Welt am Rande des Karussells verwandelt sich in eine Scheibe, die sich um mich zu drehen scheint. In regelmäßigen Abständen wiederholen sich Formen und Farben, Töne und … Gedanken. Das ist es also: Ich sitze im Gedankenkarussell. immer wieder die gleichen Gedanken, Runde für Runde. So kann das mit dem Schlafen nichts werden.
Mutig und entschlossen stütze ich mich auf den Rand des Sitzes und stoße mich mit einem Schwung gegen die Schwerkraft ab. Mit einem Knall lande ich hart auf dem Boden. Krachend stürzt das Gedankenkarussell über mir zusammen. Kreischend wirbelt es die Worte durch die Luft, die sich ängstlich bei den Serifen fassen um dann als ganze Sätze auf mich zu regnen.
Auf dem Bauch liegend, alle Viere von mir gestreckt, hebe ich meinen Kopf, während letzte Worte von mir fallen.
Mein Blick fällt wieder auf die roten Leuchtziffern meiner Schlafzimmeruhr: 3:48. Im Kopf wird es still. Der Jahrmarkt scheint weitergezogen zu sein.
Etwas sticht mich im Rücken… Es sind ein paar Buchstaben auf denen ich noch liege. Schnell erhebe ich mich, nehme die Lettern in die Hand und sortiere sie. VERRÜCKT.
Bei dem Wort muss ich lachen. Und so schlafe ich dann auch mit einem Lächeln wieder ein.

Oliver 2.0

Kurzgeschichten selbstgespräche

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

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