Der Franzose und ich. Altweiberfasching.

Gestern Abend saß ich gemütlich auf meinem Sofa und genoß die Ruhe. Naja… zumindest ein paar Minuten, als ich plötzlich aus dem Schlafzimmer Lärm hörte. Da der Franzose nicht auf der Couch lag, ahnte ich schlimmes. Ich legte mein Buch beiseite und marschierte in unser Schlafgemach.

Dort fand ich alle Türen meines Schrankes aufgerissen und davor türmten sich Kleiderberge. Von Der Bulldogge keine Spur. Da hörte ich ihn ächzen… mühsam schob er sich rückwärts aus dem Schrank und setzte sich vor mich. Um Gottes Willen – was für ein Anblick. Er trug ein kariertes Hemd und auf dem Kopf einen Cowboyhut.
„Was ist das?“ schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen.

„Ein Hut und ein Hemd“, antwortete er mit seiner ruhigen Art.

„Das weiß ich selbst“, entgegnete ich genervt, „ich meine ja auch Dich.“

Der Hut rutscht ihm bei meiner Frage leicht ins Gesicht. Ein Zeichen, dass er wohl seine Stirn in Falten legt: „Ich bin eine Französische Bulldogge, ein french Bully, ein…“

„Ja meine Güte, ich weiß. Aber was machst Du mit dem Zeugs?“

„Das ist mein Kostüm.“

„Dein was?“

„Mein Kostüm.“

„Dein Kostüm?“

„Ja, mein Kostüm. Ich trage einen Hut und ein kariertes Hemd. Ich bin ein Cowboy.“

Ich war kurz davor einen Schreikrampf zu bekommen, während er mit hängenden Mundwinkeln vor mir saß:
„Du bist ein Hund!“

„Nein, ich bin ein Hund in einem Kostüm. Ein Cowboy.“

„Hunde tragen aber kein Kostüm.“

„Aha“, meinte er schnippisch und rümpfte die Nase, „und was sitzt vor Dir?“

Die Zornesröte stieg mir ins Gesicht:
„Ich sehe einen Hund!“

„Einen Hund mit Kostüm!“ verbesserte er mich.

Ich schnappte mir meine Kamera und machte ein Foto von ihm, um ihm zu zeigen, wie lächerlich seine Verkleidung wirkte. Ruhig und gelassen betrachtete er das Foto und meinte dann nur: „Klasse seh ich aus. Wie ein richtiger Cowboy. Ich gehe nun auf den Altweiberfasching!“

Jetzt reichte es mir… völlig genervt riss ich ihm den Hut vom Kopf und das Hemd vom Leib.
„Du gehst nirgendwo hin und schon gar nicht kostümiert!“ Brüllte ich ihn an.

Außer sich vor Empörung stapfte er auf allen Vieren über den Kleiderberg hinaus in den Flur und rief mit knurrendem Unterton: „Und ob ich gehe. Dann halt ohne Kostüm, GANZ NACKT!!!“

Ich war platt, hörte nur noch wie die Haustür knallte. Sofort sprang ich auf und rannte ebenfalls zum Eingang. Ich riss die Türe auf und schrie ihm nach: „Du bist nicht nackt. Du bist ein haariger Hund. Hunde können nicht auf den Fasching!“

Ich hörte von ihm so etwas wie „Leck mich“.
„Du mich auch“, schrie ich, „und übrigens… Dein Kaffee schmeckt immer scheußlich!“

Er hörte mich nicht mehr, zu schnell war er in der Dunkelheit verschwunden. Enttäuscht warf ich ebenfalls die Tür mit einem lauten Knall ins Schloß und ging in meine Blockhütte zurück, währed draussenirgendein NAchbar „RUHE“ in die Dunkelheit brüllte. „Altweiberfasching…“ hörte ich mich laut reden. So ein Mist, der Abend war gelaufen.

Völlig durcheinander beschloß ich, ins Bett zu gehen. Es war mir egal, was mit dem Franzosen passierte. Soll er doch sonst wohin gehen. „Altweiberfasching… Blödsinn…“ Ich war zwar ziemlich aufgewühlt, schlief aber trotzdem bald ein.

Irgendwann, tief in der Nacht, ich lag auf der Seite, spürte ich ein Stechen in meinem Rücken. Ich fasste nach hinten um meine Wirbelsäule zu massieren – das Stechen aber blieb. Komisch, dachte ich mir… dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: der Franzose. Ich knipste die Nachttischlampe an und drehte mich um. Er saß mit seinen großen Kulleraugen neben dem Bett und bohrte mir mit seinem stechenden Blick Löcher in mich. Die Uhr verriet mir, dass es bereits 2 Uhr war.

„Ich bin zurück!“ hauchte er mir mit einer strengen Bierfahne entgegen.

„Das sehe ich. Was ist das für ein Karnevalsorden um Deinen Hals?“ Ein mächtiger glitzernder und klimpernder Orden hing mitten auf seiner weißgefleckten Brust.

Diese schwellte gleich nochmals um ein paar Zentimeter an: „Den habe ich gewonnen!“

„Du hast ihn gewonnen?“

„Ja. Auf dem Altweiberfasching.“

Ich drohte wahnsinnig. zu werden: „Du hast ihn auf dem Altweiberfasching gewonnen? Wie? Warum?“

„Ich hatte das schönste Kostüm!“

„Aber Du warst doch nackt.“

„Nein, ich habe ein Fell.“

„Na und?“

„Ich hüpfte im Ballsaal umher und die Leute fanden dass ich ein super Osterhasenkostüm mit tollen Ohren und einem süßen Stummelschwänzchen hatte. Und ich sag Dir noch was… die Weiber waren alles andere als alt!“

Jaulend drückte ich meinen Kopf ins Kopfkissen, während es sich der Franzose gelassen in seinem Körbchen gemütlich machte um dann sofort einzuschlafen. Ich lag den Rest der Nacht wach.

20140227-204208.jpg
Ein gar nicht schönes Cowboykostüm – das Beweisfoto.

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

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