Der Franzose und ich. Heimkehr.

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Es war am zweiten Tage nach dem Viertelfinalsieg der Deutschen gegen die Franzosen im Juli des Jahres 2014, als es an der hölzernen Tür meiner bescheidenen Blockhütte klopfte… 

Ich horchte auf und verliess meinen vertrauten Sessel. Lange ist es her, seit ich hier gestört wurde. Seit dem Weggang des Franzosen führten Willi (KLICK) und ich ein ruhiges und beschauliches Leben. Ich legte meine Meerschaumpfeife beiseite (oder war es der Flaschenöffner) ächzte mich aus meinem Stammplatz und schritt zur Tür. Ich drückte die Klinke nach unten und schob das schwere hölzerne Ding einen Spalt auf… nichts. Im Flur draussen war nichts zu sehen. Dennoch hörte ich ein verdächtiges Schnaufen, gar so, also ob jemand ausser Atem wäre. Ich senkte den Blick und…

… meine Güte, der Franzose ist zurück! Was für eine Freude. Du meine Güte, ich hätte ihn fast gar nicht erkannt. Nur dem Geruch nach wußte ich: Das ist Spike! Gerade gingi ich auf die Knie um ihn zu begrüßen und herein zu bitten, als er auch schon an mir vorbei in die Küche marschierte. Statt einer großen Begrüßungszeremonie wackelte er nur kurz mit seinem Stummelschwanz, blickte mich an und meinte in seiner trockenen französischen Art: „Hunger!“

Natürlich musste der Kerl Hunger haben. Hat ja bestimmt zwei Wochen nichts gegessen, Sein sonst so schlanker Körper war schon ganz aufgedunsen.

Ich bereitete ihm sein Lieblingsabendessen und servierte es ihm wie gewohnt auf dem Fußboden der Küche… natürlich in seinem hellblauen Lieblingsfressnapf.

Ich setzte mich gespannt neben ihn, als er hastig das Essen hinunterschlang.

„Wo bist Du gewesen?“ fragte ich neugierig.

Mampf-Schmatz-Würg… „In Frankreich, in Paris.“

„Echt? Unglaublich! Wie war es dort? Hast Du mich vermisst?“

SchlabberMampf- „Es war toll und ich habe Dich nicht vermisst!“

„Nicht? Wieso bist Du dann zurückgekehrt?“ erwiderte ich enttäuscht.

„Spaß!!! Klar habe ich Dich vermisst! Sonst wäre ich doch nicht hier…“

Ich war erleichtert.

„…nächstes Wochenende bekommen wir Besuch,“ stammelte er laut schmatzend in sein Essen hinein.

„Besuch? Von wem denn?“

„Also…da war diese kleine Französin… ganz in weiß. Naja, nicht ganz weiß. Ihre eine Gesichtshälfte ist schwarz. Genau wie ihr scharfes Hinterteil. Und ihre Ohren erst…. mon Dieu!“

„Du hast eine Freundin?“

„Sei nicht so neugierig. Du wirst sie kennen lernen… bald.“

Zugegeben, ich war ziemlich verwirrt. Mein kleiner dicker Spike hat eine Freundin. Und auch noch ne Französin… wow. Wie ich mir so in Gedanken versunken ausmalte wie sie wohl aussah, wackelte der Franzose in sein Bett – erschöpft und vollgefressen – endfertig. Mit einem Grinsen im Gesicht räumte ich seinen Napf beiseite während ich aus dem Schlafzimmer schnell sein vertrautes Schnarchen vernahm. Heute war es Musik in meinen Ohren – eine wahre Ouvertüre, reich geschmückt mit wunderschönen Tönen. Die Welt war wieder in Ordnung für mich und die Blockhütte war wieder voll. Der Franzose und ich… und natürlich Willi – wir waren wieder zusammen.

 

 

 

Der Franzose und ich. Kurzgeschichten

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

13 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Aber wirklich!!! Franzosen sind ja sooo unberechenbar und duuu kannst ja viel erzählen, wenn der Tag lang ist. Jetzt kann ich wieder beruhigt und konzentriert meinem Leben einen Sinn geben! Danke!

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  2. Mega endgeil 🙂 schön dass der Herr endlich von seinem Urlaub heimgekehrt ist! Ich würd sicherheitshalber ein Auge auf die beiden werfen. Sonst hast du vielleicht bald eine kleine Familie. Weißt eh wie das mit frischverliebten Pärchen so ist. Außer er… Na du weißt schon 😉

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