Südwind.

Ich kneife meine Augenlider fest zusammen, so dass nur noch ein ganz schmaler Schlitz bleibt, der sich mit dem Horizont in der Ferne deckt – dort wo das türkisblaue Meer auf den blauen Himmel trifft und beide sich zu einem Gefühl der Sehnsucht und der Ferne vereinigen.

Dort, ganz weit hinten, wo Schiffe drohen, gleich über die Kante zu stürzen… dort sind meine Gedanken. Meine Augenschlitze versuche ich im Wasser, möglichst waagrecht, zu halten, eben genau auf dieser Kante. Die Sonne, die hoch oben im Himmel steht und hier unten auf der Erde alles unglaublich aufheizt – die Sonne bleibt aus meinem schmalen Sehschlitz draussen. Dadurch wirken die Farben, Türkis und Blau, noch intensiver als sie eh schon sind. Auch mein Blick ist geschärft, fokussiert auf einen winzigen Punkt ganz weit da draussen – ein Schiff.

Um mich herum höre ich ein paar Möwen. Gemeinsam mit dem Rauschen der Wellen bekommt die Sehnsucht eine Melodie – fast so, wie das Lied, welches durch alte Lautsprecherboxen hinten an der weiß getünchten Strandbar klingt. Ein paar Gäste, in Badeklamotten sitzen an kleinen Tischchen, ebenfalls weiß getüncht, und trinken aus schön geformten Gläsern, leuchtend oranges Zeug. Es ist die Stunde des Aperitivos… der langsame Untergang der Sonne wird eingeläutet… oder soll ich besser sagen: zelebriert?

Ich strecke mich auf meiner Strandliege aus. Meine Arme gleiten links und rechts hinunter in den aufgeheizten Sand. Wie ein Bagger pflüge ich mit meinen Händen hindurch und lasse den feinen Sand anschliessend durch meine Finger rieseln.

Es weht ein heißer Winde. Und vor mir rauschen die Wellen, hinter mir läuft dieses Lied… „Vento del Sud“ – Südwind – Reggae lässt grüßen.

Plötzlich – ein lautes Geräusch lässt mich hochfahren – ein Ton welcher so gar nicht hierher passt – weder auf das Meer, weder auf meine Liege und auch nicht in die Strandbar. Ein lautes Hupen…

… und da wird es mir klar… durch die Gitterstäbe meines Balkons, sehe ich unten auf der Straße einen wild gestikulierenden LKW-Fahrer der Müllabfuhr. Mit lauten Gehupe und Beschimpfungen fordert er ein parkendes Auto auf, zu verschwinden, damit er durchkommt und seine Arbeit erledigen kann. Nun haben halt parkende Autos die Angewohnheit, dass sie nicht einfach verschwinden können.

Ich wohl hingegen schon – gerade war ich noch am Meer. Jetzt liege ich hier auf meinem Balkon im vierten Stock eines großen Mehrfamilienhaus. Von vorne spüre ich aber immer noch diesen heißen Südwind in meinem verschwitzten Gesicht und hinter mir im Radio läuft dieses Lied: „Vento del Sud“.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Oliver 2.0

Video von TIROMANCINO „Vento del Sud“ – Südwind

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