Der Franzose und ich. Nachts in der Coyote Ugly Bar.

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In der Küchenschublade fand ich gestern mittag, rein zufällig, ungefähr 2 Millionen Bonus-Meilen. Ich glaube ich sammelte sie damals als junger Kerl. Wenn ich mich recht erinnere, steckten sie immer im Deckel von Nutella-Gläsern.

Nunja, dacht ich mir, lösen wir sie gleich ein. Ich packte den Franzosen ins Auto und wir fuhren zum Flughafen.

Alles ging sehr schnell und im Handumdrehen landeten wir in Florida. Es war nur eine kurze Autofahrt nach Key West, die Bulldogge wurde dennoch ungeduldig. Der Abend war schon hereingebrochen und wir hatten beide Durst.

Schliesslich blieben wir vor einer Bar stehen. COYOTE UGLY stand in großen leuchtenden Lettern über dem Eingang. Darunter stand ein ziemlich großer und breiter Mann mit unglaublich riesigen Dreadlocks. Schnell erkannte ich in ihm den Türsteher und Rausschmeißer. Genauso schnell erkannte er, dass wir beide dort drin unseren Durst löschen wollten. „Der kommt hier nicht rein!“ raunzt er mich an. Traurig blicke ich zu dem kleinen Franzosen hinunter. Der Türsteher: „Nicht der! Der!“ Mit seinem dicken Wurstfinger zeigt er auf den Rucksack auf meinem Rücken.

Achso, dachte ich mir, na das Problem ist zu lösen. Ich setzte ein Lächeln auf: „Da sind nur unsere Zahnbürsten drin und ein Fotoapparat. Nichts gefährliches.“

„Egal. Der Rucksack darf nicht rein!“

Hm, da standen wir nun. Ich überlegte. Ich konnte doch nicht ne Französische Bulldogge hier draussen alleine mit meinem Rucksack stehen lassen. Mit seinen großen Kulleraugen blickte mich der Franzose an. Er musste ziemlich durstig sein.

Schließlich hatte ich eine Idee. Ich griff in den Rucksack, holte die Kamera heraus und drückte sie dem Hund in die Hand: „Geh Du rein, bestell Dir was zu trinken und mach ein Foto für mich. Bleib aber nicht zu lange – ich warte hier draussen.“

Kaum hatte ich ausgesprochen, drückte sich der Franzose vorbei an dem riesigen Türsteher und verschwand in der Menge.

Es dauerte gar nicht so lange – ich glaube fünf Stunden – als der Kleine endlich wieder vor mir stand. Links und rechts gestützt von zwei äusserst spärlich gekleideten jungen Damen. Er schien ziemlich angetrunken. Fast gleichzeitig warfen mir die beiden Damen einen Kuss durch die schwüle Nachtluft zu. Wobei sich die Nacht gerade am Horizont verabschiedete und der Sonne Platz machte. Mir war klar was die beiden vor hatten. Aber dafür war nun wirklich keine Zeit.

„Danke, dass Ihr mir meinen Freund gebracht habt, aber mehr ist nicht drin. Er muß dringend Gassi und den Rückflug dürfen wir auch nicht verpassen!“ Ich schob die beiden Damen höflich zur Seite, schnappte mir den Franzosen und fuhr mit ihm zum Flughafen.

Was er in der Bar getrieben hat, weiß ich nicht. Aber in fünf Stunden schaffte er leider nur dieses eine Foto.

Oliver 2.0

Der Franzose und ich. Kurzgeschichten

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

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