Der Franzose und ich. In da Club!

Ein Geräusch weckte mich letzte Nacht. Ich sprang auf, um Nachzusehen was draussen im Flur los war. Im Dunkeln stolperte ich über etwas. Nachdem ich mich aufgerappelt hatte, knipste ich das Licht im Schlafzimmer an. T-Shirts und Hemden… alles lag verstreut auf dem Fußboden. Ich konnte mich nicht erinnern, solch einen Saustall hinterlassen zu haben.

Ich trat in den Flur und schaltete auch dort die Lampe an. An der Tür saß der Franzose und schaute mich durch meine Sonnenbrille an… gar so, als müsse er mal Gassi. Aber er trug ein Shirt und Schmuck um den Hals. Er hatte etwas anderes vor.

Na gut, dachte ich mir – streifte mir ein Hemd über und schlüpfte in meinen dunklen Anzug. Kurz darauf saßen wir beide in meinem Auto. Ich drückte aufs Gas, der Franzose auf den Schalter fürs Fenster, welches sich fast zeitgleich senkte. Die Luft einer kalten Winternacht drang in das Wageninnere. Ich klappte meinen Kragen hoch und wir bogen auf die Autobahn.

Es war um Mitternacht als wir die Provinz verliessen und vor uns die Lichter der Großstadt strahlten. Die Bässe wummerten Musik von „Low Deep T“und liessen den Rückspiegel zittern. Wir überholten einige Autos, dessen Insassen zu uns ungläubig herüber starrten. Den Franzosen liess das kalt. Er hielt weiterhin seine Schnauze hinaus in die Nachtluft. Inzwischen tropfte seine schwarze Nase.

Ein Parkplatz direkt vor dem Club… wir hatten echt Glück. Ich stieg aus und, beobachtet von den wartenden Gästen am Einlass, öffnete ich die Beifahrertür. Der Franzose hüpfte aus dem Auto und spazierte schnurstracks an den Türstehern vorbei hinein ins Getümmel. Die waren so baff, dass sie mich gar nicht mehr registrierten und auch ich unbehelligt in den Club eintrat.

Drinnen verlor ich den Franzosen. Egal, dachte ich mir, und bestellte mir erstmal einen RedBull-Wodka an der Bar. Die Musik war klasse und ich wippte im Takt. Aus dem wippen wurde ein Tanzen und so genoß ich die Beats aus den riesigen Boxen.

Es dauerte nicht lange, da bestellt ich mir nochmal das gleiche.

„Ist das Ihrer?“ fragte mich der Barkeeper und deutete in eine Ecke. Dort im VIP-Bereich sah ich ihn – der Franzose lümmelte, umgeben von mehreren Frauen, auf einer weißen Ledercouch. In der einen Hand ein Glas Champagner und in der anderen eine halbleere Flasche. Die Damen schienen amüsiert und kraulten sein braunes Fell unter seinem weißen T-Shirt. Er erblickte mich, prostete mir zu und wendete sich wieder seiner Begleitung zu.

Ich tanzte unterdessen weiter bis der Morgen graute. Zwar war der Laden immer noch voll, aber ich hatte keine Lust mehr und wollte nach hause. Ich spitzte meine Lippen und pfiff kurz aber knackig. Die Champagnerflasche zerdepperte am Boden. Der Franzose schnellte hoch und kam angerannt. Vorwurfsvoll legte er seine Stirn in Falten, ersparte sich aber jeglichen Kommentar. Ich blickte zurück… die mittlerweile angetrunkenen Damen winkten uns traurig zu.

Auf der Heimfahrt sprachen wir nicht viel. Zuhause angekommen lief er erstmal zu einem Baum und hebte sein Bein. Naja… es mussten wohl einige Champagner gewesen sein.

Ich öffnete die Tür und wir traten in die Wohnung. Im Schlafzimmer fiel ich erst wieder über den Wäscheberg am Boden und anschließend ins Bett. Die Musik aber, klang mir immer noch im Ohr.

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Foto: Oliver 2.0

Video: Youtube – Low Deep T „Big Love“ – Hochgeladen von PlanetWorks TV.

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

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