„Das habe ich alles nicht gewußt…“. GESICHTER AFGHANISTANS – die neue Fotoausstellung in München.

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Afghanistan. Krieg, Taliban, Korruption, Sowjets, Amerikaner, Bundeswehr, Attentate – das sind die Schlagworte, welche viele von uns mit diesem Land im Orient verbinden. Natürlich, wurden uns doch all diese Zusammenhänge über die letzten drei Jahrzehnte durch die Medien in den Kopf gehämmert. Afghanistan hat aber eben auch eine andere Geschichte als nur Krieg. Eine Geschichte, welche sich lohnen würde anzuhören. Allerdings gibt es kaum jemanden mehr, der sie erzählen könnte. Nur ungefähr 2,5% der Bevölkerung sind über 60 Jahre alt, ungefähr 42% sind jünger als 15 und das Durchschnittsalter lag 2011 bei nur ca. 18 Jahren laut dem Auswärtigen Amt.

Man kann die Vergangenheit aber sichtbar machen. Dieser Aufgabe hat sich derzeit das KUNSTFOYER, Versicherungskammer Kulturstiftung zur Aufgabe gemacht. Im Kunstfoyer der Versicherungskammer eröffnete diese Woche die Ausstellung „Gesichter Afghanistans“. Ich war dort freundlicherweise eingeladen und bin der Einladung gespannt gefolgt. Fernab jeglicher Schlagzeilen kann sich im Kunstfoyer nun jeder selbst ein Bild über dieses Land machen.

Zu sehen gibt es dort unter anderem 120 ausgewählte Bilder der Fotografin Yvonne von Schweinitz. 1953 bereiste sie drei Monate dieses Land. Mit beeindruckenden s/w Bildern fing sie dieses weite Land und dessen stolze und freundliche Menschen mit ihrer Kamera ein.  Es werden Bilder von Monumenten gezeigt, wie zum Beispiel die 2001 von der Taliban zerstörten Buddha-Statuen von Bamiyan.

Und ich als Hobbyfotograf musste leider feststellen, dass wohl keine noch so moderne Digitalkamera solch lebendige Bilder auf Papier zaubern kann.

Ergänzt wird die Fotoausstellung durch eine Sammlung von sogenannten War Rugs, Kriegsteppiche aus den 80er Jahren. Teppichknüpfer haben nach dem Einmarsch der Sowjets ihre traditionell mit abstrakten und floralen Mustern geschmückte Teppiche mit Bildern von Panzern, Hubschrauber, Raketen und Lastwagen als Motive ergänzt.

Völlig abstrakt aber ist das kleine Kino in der Ausstellung. Dort werden alte afghanische Wochenschau-Filme von 1950 bis 1970 gezeigt. Und hier erlebt man dann auch als Besucher einen richtigen Aha-Effekt: Hätte der lächelnde Obstverkäufer keinen Turban auf, würde man zum Teil meinen, man sähe einen Film aus dem Deutschland in der Nachkriegszeit.

30.000 Filmminuten werden derzeit von Afghan Film digitalisiert, um das kulturelle Gedächtnis des Landes zu bewahren. „Mit ihrer Hilfe wollen wir zeigen, wie Afghanistan sein könnte, wenn es die Herrschaft der Fundamentalisten nicht gegeben hätte“, so Ibrahim Arify, Afghan Film.

Dr. med. Reinhard Erös, Arzt und Initiator der Kinderhilfe für Afghanistan (KLICK), brachte es bei seiner Rede zur Eröffnung auf den Punkt. Er arbeitete bereits mit Mutter Teresa zusammen und fragte sie einmal singemäß, was er denn für Wissen und Fertigkeiten benötige um den Menschen zu helfen? Ihre Antwort: „Du brauchst nichts als Liebe für die Menschen!“

Und mit viel Liebe gemacht, empfinde ich persönlich, diese Ausstellung. Und so hörte ich auch beim Betrachten der Fotos eine Besucherin neben mir: „Das habe ich alles nicht gewußt…“. Ich auch nicht.

Die Ausstellung läuft bis zum 18. Januar 2015. Das Kunstfoyer ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. KUNSTFOYER, Versicherungskammer Kulturstiftung, in der Maximilianstr. 53, München.

Oliver 2.0

P.S.: Wer die Ausstellung gesehen hat, und sich näher mit dem Land beschäftigen möchte, sollte sich unbedingt einen Vortrag des oben genannten Dr. med. Reinhard Erös anhören. Klare Worte… ob es über die privat finanzierte Hilfe in Afghanistan ist, oder über unsere eigene Politik. Termine findet man über den obigen Link zur Kinderhilfe Afghanistan. Hörenswert!

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oliver2punkt0 View All →

Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

9 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Afghanistan in den 50ger Jahren. Und da konnte sich eine fotografierende Frau allein bewegen ?Das muss sehr interessant sein. Wenn wir nicht mitten in der großen Hektik wären, würde ich glatt mal in den Zug nach München hüpfen, so weit ist das ja nicht

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  2. Gesichter des Krieges, so war der Titel einer Ausstellung diesen Jahres im Ulmer Stadthaus. Kriegsfotografie, die enorm wichtig und enorm deprimierend ist.
    U.a. waren Fotografien von Anja Niedringhaus (1965-2014), Kriegsfotografin
    ausgestellt, die in diesem Jahr in Afghanistan umgebracht wurde.
    Ihr Satz hing über Ihrer Fotografie :

    „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt“
    Traurig, aber wahr.

    Gefällt mir

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