Auf ein Wort… zum Thema Herzinfarkt.

Heute Nacht konnte ich nicht schlafen… wieder mal. Ich hörte wieder die Sauerstoffmaschine, das Summen der Geräte und das Piepsen meines Puls.

Beim nächtlichen Surfen stieß ich auf ein Forum. Dort schrieben viele Angehörige von Herzpatienten ihren Kummer von der Seele: der Partner ist nicht mehr der gleiche, der Vater kommt nicht mehr zu sich, der Mann hat keine Lust mehr zum Leben, usw…

All denen möchte ich an dieser Stelle sagen: „Ja, das ist so!“

Ein Herzinfarkt ändert alles. Er ändert die Menschen, er ändert das Umfeld. Der Freundeskreis ändert sich, die Beziehung zur Familie. Oft ändert sich die Arbeit, die Einstellung zum Leben. Es ändert sich das Verhalten – ja man merkt die Veränderung sogar beim Autofahren. Und eine Herz-OP setzt noch einen obendrauf.

Wenn man dann vollkommen genesen ist, besorgt die Angst den Rest. Viele Menschen haben mehrere Infarkte, haben mehrere Operationen. Man kann sich damit trösten, dass viele den ersten Infarkt nicht überleben. Da hört sich eine zweite oder dritte Herz-OP doch komfortabel an.

Es gibt aber viele andere Erkrankungen, die erachte ich noch viel schlimmer. Und trotzdem… die Möglichkeit eines plötzlichen Todes im Nacken… das treibt schon gelegentlich Stilblüten.
Es ist dann nicht mehr nur Spazierengehen… Es ist dann Spazierengehen, dass man am Leben bleibt. Es ist dann nicht nur einfach Sport, sondern Sport, dass nichts passiert.

Und das Fazit? Ich bemühe den ausgelutschten Spruch, der immer wieder fällt und so abgetragen wirkt wie eine Jeans aus den 70ern: „Das Leben geniessen.“

Gehört man selbst zu den Patienten oder hat Angehörige, die betroffen sind, gilt nur eines – unnötigen Ärger weghauen. Streitereien? Ablehnen! Stress? Vermeiden! Weichspülen? Ja, unbedingt. Einfach einen Schritt zur Seite gehen, wenn andere am Rädchen drehen.

Das ist nicht leicht, erfordert tägliches Üben und bleibt auch immer schwer. Sich immer wieder fragen: „Was tut mir gut? Was nützt mir?“

Hört sich egoistisch an? Soll es auch. Menschen, deren Leben von jetzt auf nachher zu Ende sein kann, nur weil ein Gefäß mal kurz zugeht, haben das Recht egoistisch zu sein.

So einfach ist das.

Ich wünsche allen einen schönen Start ins Wochenende,

Oliver 2.0

P.S.: In den Foren beklagen auch einige, dass sie weniger rauchen als vorher und trotzdem einen zweiten Infarkt bekamen. Meine Meinung dazu: Denen ist echt nicht mehr zu helfen.

selbstgespräche

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

6 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. „Einfach einen Schritt zur Seite gehen, wenn andere am Rädchen drehen.“ Ein guter Rat. Wirkt sicher auch vorbeugend und bringt ganz allgemein mehr Lebensqualität. Gilt nach meinem Dafürhalten als lebenserhaltende Maßnahme insbesondere auch im Straßenverkehr..

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  2. Ich hatte „noch“ keinen Herzinfarkt, mir scheint vor Augen den Tod zu haben nicht so belastend oder bedenklich als kein Leben vor Augen zu haben ohne tot zu sein. Ein körperlicher Defekt mag „direkter“ den Wunsch bewirken, Leben zu genießen, sich also zu besinnen – aber das, was man da ändert oder dem man ausweicht usw. sind das nicht Angelegenheiten, denen auszuweichen stets Leben bedeutet, aber das Ausweichen ohne jenen „gesundheitlichen Grund“ – bedeutet es nicht Risiko? Das Risiko, die „Gesellschaft“ zu brüskieren, einfach gesagt? Gesunde Leute sollten vielmehr das Risiko als Lebenselixier wahrnehmen, nicht das körperliche, sondern das existentielle, das Selbstbehauptung erfordert – den „Infarkt“ vor Augen.

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    • Wenn man als „gesunder“ Mensch um die Vergänglichkeit weiß und deshalb mit seinem Leben etwas anzufangen weiß – umso besser.
      Meist bedarf es aber eines „Ereignis“ um sich zu besinnen. Aber wie gesagt… jeder Mensch ist auch anders und reagiert anders. Ich kann nur meine Situation beschreiben.
      Danke für Dein Feedback! Oliver 2.0

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  3. Danke, aber steh mal auf der anderen Seite, wenn dein Mann nur noch egoistisch ist und Du mit 2 Kindern und VollzeitJob dann wenn der Herr mal wieder am Raedchen dreht zur Seite zu treten. Ich will auch noch leben und ich war nach dem Infarkt eigentlich froh das mit Mann zu können aber unser Alltag lässt sich mal zur Seite schieben aber mit Schulpflichtigen Kindern nun mal nicht auflösen. Und Egoismus hindert doch auch niemanden daran dem der dann Rücksicht nimmt mal Danke zu sagen und nicht alles als selbstverständlich zu nehmen. Olli da weiß ich jetzt was meinen Mann antreibt aber bleiben kann das so nicht ich bin keine Hausangestellte sondern Ehefrau

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    • Liebe Tamara,
      leider komme ich jetzt erst dazu, auf Dein Feedback zu antworten. Aber ich wollte mir dafür extra Zeit nehmen…
      Nun, Ihr steckt eben genau in diesem Dilemma, welches ich versuchte zu beschreiben. Ein Herzinfarkt ändert Menschen. Er ändert die Umstände und letztendlich den weiteren Verlauf.
      Natürlich meine ich einen gesunden Egoismus, welcher nicht verletzend wirken soll. Aber Dein Mann wird nun von etwas anderem angetrieben und vor allem von Angst.
      Das dies oft im Gegensatz zur Familie steht, ist eine Folge davon.
      Ich habe letztendlich genau aus diesem Grunde meine Konsequenzen gezogen. So hart dies auch erscheinen mag. Ein Leben, genauso wie vorher, ist „danach“ aber nicht mehr möglich. Zumindest nicht in den meisten Fällen.
      Ich wünsche Euch dennoch, dass Ihr das lösen könnt.

      Oliver 2.0

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