Heute,… vor genau acht Jahren.

Heute,… vor genau acht Jahren, ging ich morgens aus dem Haus. „Tschüss, bis heute Abend!“ waren meine Worte an diesem Morgen. „Bis heute Abend!“  – als wäre es selbstverständlich und immer exakt planbar, dass man abends wieder nach Hause kommt. Überhaupt misst man solchen Worten relativ wenig Bedeutung zu. Man sagt sie halt einfach so oft. Beiläufig. Eben so wie das Leben… beiläufig.

An diesem Abend, am 28. Juli 2011, kam ich nicht mehr nach Hause. An diesem Abend sollte ich nicht auf dem Sofa vor der Glotze zuhause liegen. Stattdessen lag ich nackt, über Kabel und Schläuche mit Maschinen verbunden, auf der Intensivstation eines Krankenhaus. Fünfundzwanzig Kilometer entfernt von daheim.

Ich kam auch nicht am nächsten Tag nach Hause und auch nicht am übernächsten. Erst nach sechs Wochen schlürfte ich über die Schwelle meines Hauses ins Innere – um sechzehn Kilogramm abgemagert, bleich, den Blick von dieser Welt entrückt.

„Tschüss, bis heute Abend!“

Sind wir uns dieser Aussage überhaupt bewußt? Wir prognostizieren einen geplanten Tag, wobei nichts wirklich planbar ist. Man sagt es halt so. Machen wir doch immer.

Auch heute noch sage ich diesen Satz… „Tschüss, bis heute Abend!“ und hoffe diesmal aber, dass nichts passiert und ich wirklich heimkommen kann.

Wenn mich heute jemand fragt, und diese Frage fällt sehr oft, wie mein Herzinfarkt auf mein Leben eingewirkt hat, dann gehört dies mit zu den elementarsten Erkenntnissen dieser schweren Zeit.

Abends Heimkommen… das ist für mich Leben. Denn nichts ist selbstverständlich.

Wir sollten das nie vergessen, wenn wir morgens aus dem Haus gehen.

Euer Oliver 2.0

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Leise…

Ich bin leise geworden. Kein Blogeintrag, keine Lesungen, Facebook ist still und nur ab und zu stelle ich ein Bild in Instagram ein. Um mein Buch NEUSTART ist es ebenfalls still geworden. Es ist so gut wie nicht mehr verfügbar. Leise. Vielleicht zu leise.

Vielleicht fühlt sich so ein Leben ohne Herzinfarkt an. So wie jetzt im Moment um 3:50 Uhr morgens. Ich liege im Bett, alles still. Kein Pumpen einer Armmanschette die alle 15 Minuten den Blutdruck misst. Kein Blubbern von Sauerstoff in den Automaten hinter einem. Leise.

Ohne Herzinfarkt. Ganz normal eigentlich.

In 8 Tagen sind genau 8 Jahre vergangen. Damals, als es passierte, auf der Autobahn… als mich ein Herzinfarkt auf die Knie, ja regelrecht in den Dreck zwang… Damals betete ich für 10 Minuten Leben. Nur 10 Minuten, damit ich es irgendwie in ein Krankenhaus schaffe…

10 Minuten bekam ich geschenkt, und daraus wurden nun 8 Jahre. Ein wahres Geschenk denken viele von Euch. Ja genau… das Geschenk überhaupt.

Wie nimmt man ein so besonderes Geschenk entgegen? Wie ehrt man etwas so wertvolles wie 8 Jahre Leben?

Mit Demut… und Stille. Leise.

Euer Oliver 2.0