„Hahaha, Du wurdest soeben von Deinem Radiosender verarscht!“

In Australien haben zwei Radiomoderatoren die Arbeit niedergelegt. Grund: Sie haben einen Radioscherz mit einer Hörerin gemacht. Nun ist jemand tot.
Wie auch immer, die Radiomoderatoren zogen ihre Konsequenzen.

Eine weitere Konsequenz liegt in diesem Artikel. Denn es muss von mir wirklich mal gesagt werden: „Es geht mir schon lange unlaublich auf den Sack – diese alltäglichen Verarschungsanrufe in unseren Radiosendern!“ Generell besteht in Deutschland Spaß nur noch darin, andere lächerlich zu machen. Selbsternannte Komiker füllen ganze Stadien mit ihren platten Witzen.
Lieber Leser, das ist nicht Spaß. Das ist oft unter der Gürtellinie und leider oft Menschenverachtend.

Kramt mal im TV-Archiv – Unterhalter wie Rudi Carell, Komiker wie Heinz Erhard oder Theo Lingen; nur die mal als Beispiel genannt. (Um Gottes Willen…jetzt kommt er mit den alten Kamellen…) Egal, ihnen war aber eines gemeinsam…sie machten sich immer selbst zum Kasper und konnten über sich selbst lachen. Sie füllten zwar kein Olympiastadion, man mag es Klamauk nennen, aber irgendwie konnten alle lachen, befreit und ohne schlechtes Gewissen.

Im Radio ist man heute der neuzeitlichen Spaßkultur täglich ausgesetzt.
Man hat das Gefühl, die komplett sinnfreie Programmgestaltung wird nur noch durch Scherzanrufe angereichert. Zwischendrin gibt es Kaufhausmusik oder Untermahlungsmusik aus Aufzügen.

Während momentan überall über die Redaktionsleistungen von Zeitungen, Nachrichtensendern oder Onlinenachrichten diskutiert wird, hat sich der Volksempfänger als digitales Radio in die Krabbelecke verkrochen, wo vorpubertäre missglückten Klingelstreiche von damals im Beisein von kochenden, autofahrenden und einkaufenden Radiohörern, jetzt als Radioscherz ausgelebt und neu aufgekocht werden. Nachrichten werden häppchenweise dargereicht, alle Stunde zwei Minuten. Wichtig ist die Sinnfreiheit – ja nicht aufregen, sonst fällt der Kochlöffel aus der Hand oder es gibt einen Auffahrunfall. Seichtheit ist Trumpf.
Da eignen sich dann zum Beispiel Meldungen über ein entlaufenes Zwergkaninchen (Klick)

Einmal im Jahr, wenn die Mediacontrol-Zahlen bekanntgegeben werden, bedanken sich dann die Radiosender bei ihrem verarschten Publikum für ihr Durchhaltevermögen. Komischerweise ist dann auch jeder Sender irgendwie der beste Sender mit den meisten Zuhörern; natürlich mit der besten Musik sowieso.

Zum Glück sind nicht alle Radiosender so. Es gibt auch Ausnahmen… die bringen statt der „besten Musik aus 80ern, 90ern und von heute“ einfach nur gute Musik. Meist handelt es sich aber um kleine regionale Sender oder Stationen außerhalb unserer Landesgrenzen; zum Beispiel FM4 aus Österreich oder dem schweizerischen DRS 3 (gesprochen Drü). Die bringen informatives und abwechslungsreiche Mucke, auch tagsüber.

Dabei geht es einigen Radiosendern gar nicht so gut, wie sie immer tun. Die Spaßgesellschaft hinter den Mikrofonen hat auch ihre Probleme im digitalen Zeitalter. Oder habt ihr Euch noch nicht über lange werbefreie Musikblöcke gewundert? Es wird gespart. Ganze Sendungen laufen vom Band ohne Moderator. Dabei läge die Lösung wie auch bei anderen Medien so nahe: Guter Inhalt kommt gut an!
Komischerweise findet sich beim Radio, wie beim TV das gleiche Phänomen: Abseits der Hauptsendezeiten werden Berichte kritischer, Inhalte besser und auch die Musik gewinnt an Niveau. Womit hängt das zusammen? Ist der Hörer tagsüber dümmer? Hat er keinen Musikgeschmack? Warum enthält man ihm wichtige Informationen vor? Weil man ihn lieber für dumm verkauft? Wenn ja, an wen? An die Werbetreibenden?

So, zum Abschluss gibt es noch eines in die Fresse… für einen gewissen NILS, der in den frühen Morgenstunden fremde Menschen anruft, sie von der Arbeit abhält und so etwas wie kindliche Dummheit mit Hilfe einer kastrierten Zwergenstimme imitiert. „Nils, Du gehst mir am meisten auf den Sack! Dich schalt ich nur ein, um Dich nach 5 Sekunden auszuschalten! Vielleicht registriert das einer von Euch Radiomenschen!“ Seit Jahren treibt er sein Unwesen im Radio und die Moderatoren freuen sich darüber immer am meisten. Wenn man allerdings eine gute Musikanlage hat, hört man, wie gequält das Lachen daherkommt, als würde es dem Sprecher selbst gleich im Hals stecken bleiben.

Und um auf den Fall in England zurückzukommen – ja, Hörer sind keine Menschen, die man grenzenlos für dumm verkaufen kann. Vor dem Radio sitzen Menschen, die sensibel sein können und nachdenklich. Nachdenken, das sollten alle erstmal tun, bevor sie wieder mal einen durch den Kakao ziehen.

Trotzdem Euch allen einen schönen Sonntag!

Augenzwinkernd und aufgebracht,

Euer Oliver 2.0

Aufreger

oliver2punkt0 View All →

Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

3 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Im Moment streiten sich die Iren, Engländer, Katholiken, Protestanten über Fahnen und wann und wie sie gehisst oder nicht werden, es ist wieder Gewalt angesagt. Es tobt der Mob, wie bei den Randalen in den Fußballstadien. In Holland werden Linienrichter wegen umstrittener Entscheidungen beim Sport von Jugendlcihen totgetreten. In Frankreich kehrt keine Ruhe in den Gettoähnlichen Vorstätten ein. Kulturlosigkeit und Perspektivlosigkeit, Enteignung der Mittelschicht – und Entrechtung samt schleichender Kasernierung der Unterschicht. Alles mitten in Europa und ihren Ländern, denen die Vorbilder und Utopieen abhandengekommen sind und Weihnachtsmarkt mit Glühwein feiern, statt eine frohe Botschaft oder einen geistigen Aufbruch.

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  2. liegt doch an einem selber was man sich anhört oder anschaut. Wir werden doch nicht gezwungen dazu oder? Geh auf den Berg abseits der Massenwanderungen und genieß den Frieden dort oben….nur als Beispiel. über so etwas was im Radio kommt oder Fernseher verschwende ich null Gedanken. ..

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