Reise ins Ich. Stent und Herzkatheter.

Draht mit gefaltetem Ballon und Stent (am oberen Bildrand die Spritze)
Draht mit gefaltetem Ballon und Stent (am oberen Bildrand die Spritze)

Als junger Mensch war ich von Filmen wie „Die phantastische Reise“ fasziniert. In diesem Science Fiction Film aus dem Jahre 1966 wird eine Gruppe Wissenschaftler verkleinert, einem Menschen injiziert, um dort mittels einem verkleinerten U-Boot eine Gehirnoperation vorzunehmen. Die Idee dieser Reise durch den Körper eines Menschen wurde dann 1987 nochmals aufgegriffen. In dem US-Streifen „Eine Reise ins Ich“ waren es diesmal Dennis Quaid und Meg Ryan, die sich damit auseinandersetzen mussten.

Eine ähnliche Reise durch das Ich durfte ich viele Jahre später selbst erleben – bei einer sogenannten Herzkatheter-Untersuchung. In der Chronologie Teil 10 (KLICK) beschreibe ich dieses Erlebnis genauer.

Menschen mit Herzproblemen oder einem akuten Infarkt werden in einem sogenannten Herzkatheter-Raum untersucht. Den Begriff kennen viele bestimmt von ihrem Opa oder eben von Verwandten. Die Untersuchung an sich ist völlig schmerzfrei und geht routiniert von der Bühne. Da der Patient aber bei Bewusstsein ist, bekommt diese Art der Untersuchung einen besonderen Touch. Es wird nämlich in der Leiste (manchmal in der Ellbeuge) ein kleiner Schnitt gemacht und dann ein sehr dünner Draht durch die Schlagader direkt zum Herz geführt. Durch den Draht wird dann ein Kontrastmittel eingespritzt und mittels der Röntgenkamera werden die Herzkranzgefäße bzw. deren Verengung auf großen Monitoren sichtbar gemacht. Man sieht also wie da im eignene Herz „rumgewurschtelt“ wird. Das ist strange und fühlt sich, obwohl man nichts fühlt, mehr als seltsam an.

Das Wunder der Technik geht aber noch weiter… Am Ende des Drahtes sitzt ein Ballon. Über dem Ballon ein Geflecht aus feinstem Draht im gefalteten Zustand – der Stent.

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Draht mit gefaltetem Ballon und Stent.

Hat der Arzt nun eine Engstelle in den Gefäßen gesichtet, platziert er dort das Geflecht. Er möchte mittels des Drahtgeflechts das verengte Gefäß etwas weiten und dauerhaft abstützen. 

Dazu wird der Ballon aufgeblasen. Genau! Mitten im Gefäß auf dem eigenen Herzen. Man kennt das ja vom eigenen Auto: Man fährt an die Tankstelle, sucht den Aufkleber mit den Informationen zum Luftdruck, um dann mit solch einem Luftdruckgerät den Reifen „aufzublasen“. Im Reifen benötigt man meist einen Luftdruck um die 2,5 Bar. Bei der „Ballondilatation“ sind es um die 10 Bar! Das Teil darf einfach nicht platzen…

Durch den aufgeblähten Ballon entfaltet sich der Stent und stützt nun die Gefäßwand (hoffentlich) dauerhaft ab. War das ganze erfolgreich, lässt der Arzt Luft aus dem Ballon und zieht diesen mit dem Draht wieder langsam heraus. Der Stent verbleibt im Gefäß auf dem Herz. Erst jetzt, nach der Untersuchung, wird es schmerzhaft – der Schnitt in der Leiste muss abgedrückt werden, war ja eine Schlagader. Naja, und manchmal gibt das dann einen mächtig blauschwarzen Oberschenkel.

Die Herzkatheter-Untersuchung ist sozusagen die Notfallmassnahme bei Herzinfarkt. Die Besatzungen in den Rettungswagen wissen, welches Krankenhaus sie in solch einem Fall anfahren müssen. Es sind nicht alle mit einem Herzkatheter-Raum ausgestattet. Telefon 112!!!

Tja, und manchmal macht selbst ein Stent kein Sinn… Dann nämlich wenn der Arzt mit dem Draht gar nicht mehr durch die Engstelle kommt. Dann ist Ende mit der Herzkatheter-Untersuchung. Dann kann nur noch eine Herzoperation helfen… so wie bei mir.

Ich habe also keine Stents. Wollte aber zumindest ganz unmedizinisch darüber berichten, da auf diese Art und Weise vielen Menschen geholfen werden kann. 268.500 Stents waren es im Jahr 2008.

Eine kritische Anmerkung meinerseits gibt es aber ebenfalls dazu: Ein Stent kann in vielen Fällen eine Operation verhindern, aber ein Stent ist kein Freifahrtschein für das weitere Leben. Die Ernsthaftigkeit der Lage ist vielen Herzpatienten nach einem schmerzfreien Eingriff nicht klar. Ein Krankenhausaufenthalt ist meist nicht notwendig, dem Patienten geht es schnell gut, und… es wird oft so weitergemacht wie bisher. Darin sehe ich persönlich eine große Gefahr bei vielen Patienten.

Mein Dank geht an die Reha-Klinik Bad Wörishofen. Dort wurde mir der Katheter-Draht zum Fotografieren zur Verfügung gestellt.

Oliver 2.0

Foto Uncategorized Was für's Herz

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

8 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Was vielen nicht klar ist … egal wie klein oder schmerzfrei ein Eingriff scheint … es bleibt eine Operation. Ein „Einschnitt“. Und jeder Einschnitt hat etwas zur Folge. Man kann nicht weitermachen wie bisher! O_o
    Danke für Deine Klarheit … das ist wichtig und wertvoll. Lg

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  2. Kann ich mich nur anschließen. Und unsere Gesundheit ist unser größtest Gut. Was bringt einem alles Geld der Welt, wenn man nicht gesund ist!!! Wünsch allen, insbesondere Dir, eine große Portion Gesundheit!!!

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