Der Franzose und ich. Kreuzfahrt nach New Angeles.

Es war mal wieder Wochenende und ich überlegte mir, was wir, also der Franzose und ich, wohl unternehmen könnten. Da kam mir spontan eine Idee: „… Wir beide machen heute noch eine Kreuzfahrt nach Amerika.“Der Franzose schwieg mich an, legte ansonsten nur seine Stirn in Falten.

Ich: „Du wißt doch noch – unser Tagesausflug nach Kanada (KLICK)… Du hattest so viel Spaß. Ja… und diesmal fahren wir nach New Angeles!“

Nach einer kurzen Anreise aus dem bayerischen Voralpenland kamen wir in Hamburg an und heuerten sogleich auf einem Kreuzfahrtschiff an, welches kurz vor dem Ablegen war. Um uns die Überfahrt leisten zu können, musste ich das Oberdeck schrubben. Der Franzose erkundete derweil das riesige Schiff.

Als ich bereits ein paar Stunden geschrubbt hatte, hörte ich aus einem Bullauge Schreie und Gelächter… es klang zum Teil entzückt, aber auch dazwischen verzweifelt. Man hörte Worte wie „Ach wie süß“ oder „Hilfe, eine Riesenratte“ oder auch „Wow, hat der große Ohren“. Nun, das kam mir alles all zu bekannt vor. Ich streckte meinen Kopf durch eines der großen Bullaugen und blickte in den riesigen Speisesaal. Natürlich war dort der Franzose unterwegs. Von einem Tisch zum anderen – immer am Betteln und dazwischen am Fressen. „Lass das jetzt!“ rief ich ihm zu und deutete ihm die Tür. Mürrisch, aber doch folgsam erschien er kurz darauf auf meinem Deck, welches inzwischen funkelte und glänzte.

Die Nacht war inzwischen hereingebrochen. Wir beide machten es uns auf einem der Liegestühle auf dem Oberdeck bequem und schauten in den Sternenhimmel, während tief unten im Bauch des Schiffes, die schweren Dieselmotoren ihre Arbeit verrichteten.

Es war eine wunderbar klare Sternennacht. In der Ferne hörte man Grillen zirpen und majestätische Eisberge, welche knapp am Schiffsbug vorbei trieben, zauberten eine märchenhafte Kulisse in die Nacht. Ich fühlte mich wie Jack Dawson… allerdings ohne seine Rose. Es war kalt, sehr kalt. Ich schätze minus 30 Grad. Eiszapfen hingen dem Franzosen aus dem Gesicht. Ich zog die Decke höher und wir schliefen ein.

Am nächsten Morgen läutete die Schiffsglocke – Land in Sicht. Schon von weitem konnten wir die Golden Gate Bridge sehen und gleich dahinter die Freiheitsstatue.

Einen Augenblick später gingen wir schon von Bord. Erstmal frühstücken dachte ich mir und suchte eine Imbiss-Bude. Spike, der Franzose, hatte natürlich schon wieder ein Opfer entdeckt. Ein junger Man saß vor einem Fastfood-Restaurant und kaute auf einem Burger… Der Franzose setzte sich vor ihn und hypnotisierte den jungen Mann, während die Eiszapfen an seinen Lefzen langsam schmolzen.

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„Komm schon, lass uns New Angeles entdecken!“ rief ich der Bulldogge zu. Voller Tatendrang marschierten wir die 50th Avenue hinunter Richtung Santa Monica Pier. Plötzlich hielt ein alter Chevy am Strassenrand. Ein zerknitterter Typ mit noch mehr zerknitterter Zigarette, lose im Mundwinkel hängend, schob seinen ungepflegten Kopf durch das Fahrerfenster: „Kann ich Euch wohin mitnehmen?“

New Angeles hatte freundliche Bewohner, ausserdem kam er mir bekannt vor. Ich strahlte: „Sehr gerne!“ Der Franzose und ich machten es uns auf den ledernen Rücksitzen bequem, während der coole Typ uns durch New Angeles fuhr. Am Empire State Building fuhren wir um die Ecke und bogen auf den Sunset Boulevard Richtung Hollywood.

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Eine eindrucksvolle Gegend ist das hier. Am Rodeo Drive bitte ich unseren Fahrer, doch bitte anzuhalten. Der Chevy spuckte uns aus und ich deutete dem Franzosen, seinen Blick nach vorn zu richten… Das Beverly Wilshire Hotel. Hier wollten wir eine Nacht verbringen. Taten wir auch, allerdings war die Toilette der Hotellobby nicht sehr geräumig und alles andere als bequem, aber ein Zimmer konnten wir uns nicht leisten. Am nächsten Morgen hiess es aber schon wieder, Abschied nehmen. Es war bereits Sonntagfrüh und wir hatten nicht mehr viel Zeit. Also entschieden wir uns, das nächste Flugzeug zu nehmen. Wir schauten uns noch ein bisschen am Venice Beach um, liessen uns ein Henna-Tattoo auf die Oberarme malen und genossen einen kurzen Blick auf das Meer.

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Dann fuhren wir mit dem Linienbus zum Kennedy-Airport und checkten dort mit unserem Beutel, gefüllt mit Bonusmeilen, ein. Der Flug war recht kurzweilig – bereits am Abend waren wir wieder zuhause und ganz ehrlich – ein bisschen müde sind wir jetzt schon.

Der Franzose hat eine übellaunige Gesichtsmine.

„Was ist los Spike?“ will ich wissen.

„Wir waren nicht im Meer schwimmen…“ jammert er nur stumm.

„Achso, das bedrückt Dich… Aber schau – Hunde sind dort in New Angeles am Strand nicht erlaubt. Wir gehen nächstes Wochenende schwimmen…“

„Und wo?“

„Na wo schon? An der Copacabana! Versprochen!“

Oliver 2.0

Der Franzose und ich. Foto Kurzgeschichten

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

5 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. ich liebe Bild 1. Es ist so … Bully. So liebenswert eklig. Man muss ihn gern haben, auch wenn er alles volltrieft, es ist so eine Not in diesem Ausdruck: gib, gib, gib, sonst sterb ich, gib, gib, schau wie ich schau, … gib‘ doch einfach was ab

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