Der Franzose und ich. Winterquartier.

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Draussen fiel schon der erste Schnee, die Sonne zeigt sich nur noch spärlich und es ist kalt geworden. Der Winter rückt immer näher. Zeit für den Franzosen und mich, unser Winterquartier zu beziehen. Unsere Bleibe ist eine rustikale Blockhütte, mitten in der Abgeschiedenheit der Berge. Hier leben wir.

Wenn man zur Türe hinausgeht, dann nach rechts am Kino, an der Sparkasse und der Bäckerei entlang immer geradeaus fährt, kann man sie irgendwann sehen… die Berge.

Oder man geht nach links, die Strasse ungefähr eine Meile gen Norden, den Berg hoch, dann eine halbe Meile westlich – dann kann man die Berge noch besser sehen. Nur ein Tagesmarsch zu Fuß von unserer bescheidenen Hütte entfernt liegen sie majestätisch da, die Gipfel schneebedeckt.

Gar nicht majestätisch ist unsere Unterkunft. Sie ist bescheiden. Eben nur mit dem Nötigsten für ein Überleben in der rauhen Natur ausgestattet. Es gibt weder Fernseher noch W-Lan noch eine Telefonzelle. Nur Holz…. Holz oben, Holz unten, Holz links, Holz rechts. Zwischen zwei kleinen Fenstern hängt ein Elchkopf an der Wand. Man hat den Eindruck, er lugt durch ein Loch in der Wand und streckt den Kopf ins Warme, während sein Hinterteil samt Elchshoden draussen langsam erfriert.

Wir trinken Kaffee – der Franzose und ich. Er trinkt ihn schwarz. Erst gestern sagte ich zu ihm: „Du bist echt ein harter Hund!“ Er grinste nur und nippte noch einmal an der pechschwarzen Plörre bevor er sich mit der Pfote eine weitere Portion Trockenfutter zwischen die Lefzen schob.

Der Kaffee wird bei uns von Hand aufgebrüht. Das heißt – ich greife mit der rechten Hand in die Kaffeedose und hole eine gute Handvoll des schwarzbraunen Pulver heraus und halte meine Hand erst über meine Tasse, dann über die des Franzosen. Der nimmt die blecherne Wasserkanne von der Feuerstelle und schüttet mir das kochende Wasser über die Hand. Natürlich löst sich da so manches Pulver und schwimmt danach in den Tassen. Wir beide sitzen dann nach dem Genuss des Kaffees immer im Kreis und lachen über unsere schwarze Flecken in den Zahnzwischenräumen. Wir sehen dann aus, wie zwei Trapper mit Skorbut.  Der Franzose hat sowieso ziemlich gelbe Zähne, was aber weniger vom Kaffee kommt als vom Kautabak.

Ich freue mich auf die kalten Winterabende, wenn wir wieder in unseren Holzfällerhemden um den warmen Ofen sitzen und uns Anekdoten aus vergangenen Tagen erzählen. Nunja, eigentlich bin ich es, der immer erzählt. So wie jetzt zum Beispiel. Der Franzose schaut mich dann nur an, legt die Stirn in Falten und kratzt sich gelangweilt hinterm Ohr.

Wenn er das tut, erzähl ich nicht mehr weiter. Wir sitzen dann eben nur da und warten einfach auf Weihnachten… der Franzose und ich… und der Elchkopf.

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Der Franzose und ich. Kurzgeschichten

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

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