Der Franzose und ich. Am Fenster.

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Neulich schien die Sonne. Das ist normalerweise nicht ungewöhnlich im Sommer, in diesem Jahr schon. Und so riss ich die Fenster auf, um etwas frische Luft und Wärme in unsere muffelige Bude zu lassen. Es muss ja nicht immer nach Hund riechen.
Auf jeden Fall sicherte sich der Franzose gleich seinen Lieblingsplatz auf dem Sims des offenen Fenster, mit Blick auf die Straße.

Ich saß am Schreibtisch und ging meiner Arbeit nach. Es dauerte nicht lange, da hörte ich den Hund laut pfeifen. Ich beugte mich sofort zum Fenster, um nachzusehen, warum er pfiff… da dreht sich auch schon eine junge Dame im Minirock mit Hund an der Leine um, schaute mich entrüstet an und streckte mir ihren Mittelfinger entgegen.
„Sorry, das war der Hund!“ entschuldigte ich mich.
„Das ist nicht witzig“, warf sie mir unfreundlich zurück und stolzierte energisch weiter, den kleinen Hund hinter sich herschleifend.
Der Franzose grinste.
„Musste das sein?“ fragte ich ihn.
„Ich hab doch gar nicht der Zweibeinigen gepfiffen, sondern ihrem scharfen Chihuahua. Eine heiße Chica sag ich Dir!“
„Die gefällt Dir wohl?“
„Hombre, ich sag Dir, es gibt nichts besseres. Ihr mexikanisches Pipi hat ein Aroma…“.
„Ihr Hunde seid eklig!“
„Wieso eklig? Hast Du das überhaupt schonmal versucht? Das hat einen Geschmack von Jalapenos mit Schokolade.“
„Widerlich!“
„Menschen sind komisch…“
„Menschen sind nicht komisch. Menschen schlecken nunmal keine Pipi von anderen. Wir riechen auch nicht an unseren Hintern!“
Der Franzose riss die Augen auf…
„Ihr riecht nicht an Euren Hintern?“
„Nein!“
„Und am Zipfel?“
„Nein!“
„Auch nicht an der Muschi? Ihr riecht nicht mal an der Muschi und schleckt auch nicht?“
„Nein!…Doch, ich meine… Ach lass mich jetzt arbeiten!“
Der Franzose schüttelte nur mit dem Kopf während ich mich beflissen wieder meiner Arbeit widmete.

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Allerdings spürte ich die bohrenden Blicke des Franzosen in meinem Rücken. Er schien mit der Antwort nicht zufrieden. Ich drehte mich also auf meinem Stuhl zu ihm. Der starrte mich an und spannte, in Erwartung auf eine verständliche Erklärung, seine Ohren noch weiter auf. Ich schloss die Augen und konzentrierte mich…:
„Ich kann nicht!“
„Was kannst du nicht?“
„Mit Dir darüber reden.“
„Über was?“
„Na über das Ganze halt. Du bist ein Hund. Ich kann mich nicht mit einem Hund über das Sexualverhalten von Menschen reden.“
„Wieso nicht? Aber über das Sexualverhalten von Hunden redet Ihr die ganze Zeit. Ausserdem hört uns doch eh keiner. Wir sind ganz unter uns!“
„Also, es ist so… mal angenommen… sollten wir Menschen schlecken, also wirklich nur angenommen, dann schlecken wir nicht, sondern…wir lecken. Genau, wir lecken dann.“

Der Franzose riss fasziniert den Mund auf.
„Aha… Menschen lecken also, sie schlecken nicht… “ er konnte es nicht fassen. Ich versuchte es weiter:

„Doch wir schlecken schon, aber eben nur Eis. Eis schlecken wir schon. Aber alles andere lecken wir.“
Es wurde, abgesehen vom Straßenlärm, ruhig in unserer Hütte. Der Franzose saß mit sehr weit aufgerissenen Augen da. Bedächtig beugte er sich zu mir, legte mir eine Pfote väterlich auf die Schulter und flüsterte: „Ihr Menschen schleckt also Eis und leckt Muschis… Was so ein SCH alles ausmacht… Ihr Menschen seid beSCHeuert!“ Den letzten Satz hauchte er. Ich saß ratlos da.
Nach einer sprachlosen Weile drehte er sich wieder zum Fenster, während ich mich wieder zu meinem Schreibtisch drehte.

Allerdings dauerte es nicht lange, da hatte die Französische Bulldogge schon wieder seine Klappe auf…
„Was ist das dort für ein Auto?“
Ich lehnte mich aus dem Fenster und sah einen Traktor: „Das ist ein Traktor.“
„Warum hat der so große Räder?“
„Damit kann er besser im Gelände, auf einem Acker fahren.“
„Aha…da kommt schon wieder ein Traktor“.
Ich schaute nochmal.
„Das ist kein Traktor.“
„Aber der hat auch große Räder.“
Ja, aber das ist ein Geländewagen. Mit den Rädern kann er auch ins Gelände.“
„Aha, und die Leute fahren damit ins Gelände?“
„Nein, tun sie nicht.“
„Komisch, versteh ich nicht.“
„Ich versteh das ebenfalls nicht. Vielleicht ist das ungefähr so wie bei dem da…“.
Ich deutete auf einen vorbeifahrenden Sportwagen.
„Was ist mit dem?“ wollte der Franzose wissen.
„Nunja, diese schnellen Wagen sehen nie eine Rennstrecke. Sie werden hauptsächlich von älteren Herrn gefahren, um die Mädels zu beeindrucken.“
Der Franzose lauschte aufmerksam, überlegte und meinte dann: „Das ist ja dann so etwas wie ein Schwanzverlängerer!“
Ich lachte: „Ja genau! So nennt man diese Autos auch.“ Ich freute mich über diesen Kalauer.
„Aber Du…“, überlegte der Hund.
„Ja?“
„Dann wäre das doch genau das richtige Auto für Dich!“
Der Franzose kippte fast aus dem Fenster, so musste der lachen. Ich hingegen, sah die dämliche Konversation als beendet an.

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In diesem Sinne, ein schönes Wochenende,

Euer Oliver 2.0

Der Franzose und ich. Foto

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

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