„Welt , was ist nur mit Dir geschehen?“ (Gedanken zum 4. Advent)

Irgendwie lebt man das ganze Jahr in seinem eigenen kleinen Kosmos. Es gibt im eigenen Leben genügend Probleme und Sorgen, denen man sich täglich stellen muss. Neigt sich das Jahr dann langsam zu Ende, so wie jetzt, hebt manch einer seinen Kopf und blickt auch mal um sich. So auch ich…Kaum habe ich aber den Kopf gehoben, schüttle ich ihn ungläubig und stelle mir die Frage: „Welt, was ist nur mit Dir geschehen?“

Es ist viel passiert in meinem Leben, aber eben auch viel in dieser großen Welt. Und bei den Geschehnissen, welche um uns herum passieren, bleiben meine Gedanken hängen…

Besonders an einem Namen, der in den letzten Wochen durch die Presse ging… Tugce (man verzeihe mir die simple Schreibweise, aber ich finde nicht die richtigen Taste). Tugce… ein Name als Synonym für Menschen, welche Herz zeigten und helfen wollten und dabei selbst zum Opfer wurden. Menschen werden Opfer von Menschen… klingt das nicht schrecklich?

Wir Menschen sprechen ja gerne von Evolution, und sehen uns Menschen selbst, als das Sahnehäubchen der Evolution, weil wir uns weiter entwickelt haben, als die anderen Primaten auf der Erde. Gab es aber diese „Weiterentwicklung“ denn wirklich?

Ich möchte einmal ein paar, völlig unterschiedliche und nicht zusammenhängende Situationen der letzten Wochen aufgreifen, welche mich beschäftigten:

1. In einem Elektro-Discounter wird mit Monitoren für Gamer geworben… Kauf 3, bezahle 2.

2. Im Bundestag wird angesichts der Krise in der Ukraine offen von Krieg als Lösung gesprochen.

3. In manchen Teilen der Welt lassen wir untere Erdschichten explodieren, um an Energievorräte zu gelangen – Fracking genannt.

4. Wir schreddern jährlich mehr als 50 Millionen männliche Küken, weil sie später mal keine Eier legen können. Ein Deutscher konsumiert während seines Lebens 1094 Tiere; Rinder, Schweine, Hühner, Gänse usw. (Quelle: Wikipedia).

5. In Großstädten gehen Menschen auf die Straßen, schwingen Fahnen und schreien: „Wir sind das Volk!“, und meinen wahrscheinlich damit „Ihr gehört nicht hierher!“ oder „wir haben aus der Geschichte nichts gelernt!“

6. In der Politik? Ratlose Gesichter.

7. Auf offener Straße wird ein Mädchen namens Tugce zu Tode geprügelt.

Liebe Leser… hat das alles mit Evolution zu tun?
Ich nenne es Bullshit.

Dem Menschen ist es gelungen, Waffen zu erfinden, mit denen sämtliches Leben auf der Welt ausgelöscht werden kann. Es ist uns aber nicht gelungen, den Hunger auf der Welt zu lindern. Das hat aber nichts mit Können zu tun, sondern mit Wollen. Und wir wollen das einfach nicht. Wir wollen aber kaufen und wir wollen Macht.

All die Jahrhunderte haben wir uns nur auf die Weiterentwicklung der Technik konzentriert und auf deren Konsum: Wir haben zum Beispiel Mobiltelefone erfunden. Die haben wir gekauft.
Wir haben sie kleiner gemacht. Die haben wir ebenfalls gekauft.
Wir haben sie klitzeklein gemacht. Auch die mussten wir haben.
Dann wurden sie wieder größer. Haben will.
Jetzt sind sie noch größer. Auch die wollen wir und bezahlen dafür.

Wir bezahlen alles, selbst wenn wir kein Geld haben. Dann kaufen wir uns eben Geld. Dafür zahlen wir ebenso gerne. Wir bezahlen sogar für zwei Computerbildschirme, weil wir dann einen dritten dazu bekommen.

Evolution? Bullshit! Bei all dem Technikfortschritt haben wir Menschen uns selbst zurückgelassen. Oder mal andersrum: Was bliebe übrig, wenn man uns diese ganze Technik wegnehmen würde?

Aber, Gott sei Dank, gibt es auch viele Ausnahmen unter den Menschen.

Tugce war eine davon. Sie hat mitmenschlich gehandelt. Mitmenschlichkeit gab es wahrscheinlich schon vor mehr als 3.000 Jahren, und vermutlich hat sich ein Teil, ein kleiner Teil der Menschheit, dies bis heute bewahrt.

Bewahren. Menschlichkeit bewahren. Das ist in meinen Augen Evolution.

Bewahren. Das ist das Vermächtnis in der Natur und bei den Tieren. Nicht das Streben nach mehr, höher, schneller oder weiter. Keine vordergründige Evolution, die zwar den aufrechten Gang ihr eigen nennt, aber alles andere aussen vor lässt.

Bewahren von dem was einen selbst ausmacht. Bewahren von Regeln eines guten Miteinander.
Durch dieses Bewahren haben die Tiere, meiner Meinung nach, mehr Intelligenz gezeigt als der Mensch.
Selbst Hunde, Jahrtausende vom Menschen domestiziert, bewahren immer noch tief drinnen ihre eigene Regeln. Wir können sie noch soviel vermenschlichen und versuchen, sie in unsere Evolution zu pressen… ein Hund bleibt immer ein Hund… eben ein Tier mit eisernen Regeln und Gesetzen, durch die Natur vorgegeben und in den Genen verankert.

Der Mensch als solches aber, ist nicht nur stehen geblieben. In seinem aufrechten und stolzen Gang ist der Mensch hochnäsig gestürzt und gefallen. Das mag auch alleine nicht tragisch sein… aber in seinem Sturz krallt er sich krampfhaft an seiner eigenen Umwelt fest und reißt alles mit sich.

Oder wurde der Mensch, und daran mag ich gar nicht glauben, so wie er sich gibt, bereits von Anbeginn so in die Welt gesetzt? Als Tier, welches so gar nicht in die Natur passt… mörderisch, gewaltsam, rücksichtslos und kriegerisch? Wenn ich mir die Greueltaten in der Welt so anschaue, muss man fast davon ausgehen. Aber zum Glück gibt es auch den anderen Teil der Menschheit, der Hoffnung macht.

In der Wirtschaft gibt es einen, meiner Meinung nach, oft vergewaltigten Spruch: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Nochmals Bullshit. Menschen, die sich selbst und ihrer Linie treu blieben, gibt es immer noch. Und Menschen, wie Tugce, die dafür büßen mussten, bleiben in den Köpfen vieler Menschen bestehen.

Bewahren. Den Menschen, die Werte bewahren können, gebührt mein ganzer Respekt.
Ich selbst werde mir die nächsten Tage genau überlegen, was ich mir über all die Jahre bewahren konnte und was ich mir bewahren möchte. Vielleicht ist dann das, was ich hoffentlich tief in mir finde, das schönste Weihnachtsgeschenk.

… nur meine Gedanken.
Einen schönen vierten Advent,

Euer Oliver 2.0

"Advent, Advent.. vier mal Feuerzangenbowle bitte!"
„Advent, Advent.. vier mal Feuerzangenbowle bitte!“

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oliver2punkt0 View All →

Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

20 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Gute Gedanken, lieber O.2, doch wie viel besser wäre noch, jeder würde sich diese Gedanken machen, und nicht nur zu Weihnachten, sondern an 365 Tagen im Jahr?
    Dann wären zwar längst nicht alle Probleme beseitigt, aber das eine oder das andere Leid würde erspart bleiben.

    Ein schönes 4.-Advent-Foto hast du da gemacht.

    lG fifteenfeet

    Gefällt 1 Person

    • Gegenrücksichtsvollen Konsum hätte ich gar nichts einzuwenden. Aber wie Du schreibst – Ignoranz herrscht vor. Alleine wenn man sich dem Thema Fleischkonsum widmet, könnte man sich übergeben.
      Allerdings sind dies noch Dinge, welche man selbst in der Hand hat. Wenn sich viele dazu Gedanken machen, ist schon ein bisschen geholfen.
      Oliver 2.0

      Gefällt 1 Person

  2. Diese Frage nach der Weiterentwicklung des Menschen habe ich mir auch schon oft gestellt.
    Irgendwann habe ich auch meinen Idealismus verloren, dass sich die Menschheit als Gsnzes auf eine höhere Ebene entwickeln kann. In der Tat geht uns in ein paar Jahrzehnten vieles Verloren was wir(ich) schon als sicher erkämpfte positive Werte angesehen haben. (Menschlichkeit /Umweltschutz). Der Kummer und die Trauer über die Greultaten, die Menschen sich gegenseitig antun, lassen mich meist hilflos zurück. (Von den Taliban ermordete Schulkinder in Pakistan z.B) Ich versuche mich dann auf mich selbst zu besinnen und jeden Tag mein eigenes Handeln zu überprüfen. Mit Freude und Menschlichkeit allen Menschen entgegenzugehen, Rücksicht und Hilfsbereitschaft leben. Ich sollte noch viel mehr tun, doch wir alle können im Kleinen bei uns selbst beginnen…. Danke für Deine Adventsgedanken

    Gefällt 2 Personen

  3. „Es ist viel passiert in meinem Leben, aber eben auch viel in dieser großen Welt. Und bei den Geschehnissen, welche um uns herum passieren, bleiben meine Gedanken hängen…“

    und so beginnt man dann rückblickend Bilanz zu ziehen.

    Ich tue dies auch gern und mit Vorliebe, am Ende des Jahres.

    Es hat sie immer gegeben und wird sie auch weiterhin geben, diese Sorte von Menschen, die alles haben müssen. Zufriedenheit ist ein Fremdwort geworden, aber trotzdem glaube ich in meinem *greisen Alter immer noch an das Gute im Mensch.

    Durch die moderne Technik wird heute in den Medien alles hochgeputscht, eine Schreckensmeldung jagt die andere und es wird selten noch über GUTES berichtet…traurig !!!

    Wenn sich Jeder ein bisschen was bewahrt, was für ihn WERTE sind, bleibt für mich das Sprichwort: „Die Hoffnung stirbt zuletzte“ immer präsent.

    Sehr gut geschrieben dein Blog und das muss auch gesagt werden *jawohl

    Liebe Grüsse und ein frohes Weihnachtsfest…

    herzlichst Uschi

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  4. Danke für deine Gedanken. Sie drücken so viel von dem aus, was ich augenblicklich empfinde. Ich komme da einfach nicht mehr mit! Mein Verstand kommt da nicht mit! Will ich einerseits nicht, andererseits kann ich auch nicht wegsehen! Ich versuche in meinem Umfeld alles zu tun, was mir möglich ist. Krisenbewältigung im eigenen Radius, quasi!
    Hab einen wirklich schönen 4. Advent, Emily

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  5. Schöne Gedanken, die mir – in ähnlicher Form – auch immer mal wieder durch den Kopf gehen. Und die mich dann motivieren, mein eigenes Handeln kritisch zu betrachten…nicht immer mit zufriedenstellendem Ergebnis. Aber zum Glück bin ich lernfähig…so wie (eigentlich) jeder Mensch – wenn er will.
    Schöne Festtage, wünsche ich Dir.
    Liebe Grüsse
    Charlotte

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  6. Nicht nur Deine Gedanken!!! Aber ich kann meine nicht so wunderbar nieder schreiben ;-). Rückgrat ist für mich auch ein wichtiges Wort, dass aber immer mehr in Vergessenheit gerät. Dafür wird Egoismus immer populärer, was mir persönlich sehr große Angst macht.

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