Über das Leben und das Fotografieren.

In meinem Buch NEUSTART beschreibe ich eine Szene, ungefähr vier Monate nach meinem Herzinfarkt, im Zug: Ich gehe in den Speisewagen, um mir ein Getränk zu holen. Als ich zu meinem Platz zurückkehren möchte, stehe ich plötzlich am Ende des Zuges, ohne wirklich zu wissen wo ich bin. Ohne wirklich zu wissen, wer ich bin. Leere im Kopf. Keine Erinnerung. Das Gehirn hat sich einfach ausgeschaltet. Nur langsam startete mein Hirn wieder. Neustart eben. Nach einer Weile war alles wieder da. Die Erinnerungen blieben, aber auch der Schreck, der mir damals durch Mark und Bein fuhr. 

Es war wohl eine Nachwirkung der langen OP und der damit verbundenen starken Narkose. Es passierte nie wieder.

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Ich machte mir damals viele Gedanken zum Thema Erinnerungen und stellte fest, dass viele Momente aus meinen jungen Jahren ebenfalls schon verschwommen sind. Die Jahre lassen einen so manches vergessen.

Nicht aber die Momente, die ich damals fotografierte und auf Bildern festhielt. Ich fotografierte viel mit einer Kleinbildkamera, dann sogar mit einer 6×6 Mittelformat von Rolleiflex. Viele der Fotos habe ich immer noch, oder meine Mütter hütet sie. Aber die Momente von damals sind da, als Foto und Erinnerung. 

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Irgendwann hatte ich keine Lust mehr zum Fotografieren. Anderes wurde wichtiger. Aus dieser Zeit damals, gibt es deshalb kaum Bilder und damit verbunden, immer weniger Erinnerungen. Die Freundschaften von damals haben sich aufgelöst, und damit vielleicht auch die gemeinsame Erinnerungsstütze.

IMG_0040Das musste ich für die Zukunft ändern… ich halte die Momente wieder fest. Ein Mensch ohne Erinnerungen ist ein leerer Mensch. Und so fotografiere ich wieder sehr viel in meiner Freizeit. Ich fotografiere auf Festen, ich knipse beim Radfahren, meinen Hund, Freunde, Straßen, Landschaften, Momente… irgendwie alles. Manchmal nerve ich damit mein Umfeld. Aber die Bilder sind mir wichtig. Jawohl, Fotos sind für mich Erinnerungen. Die neuen Technologien machen es auch möglich, die Bilder überall dabei zu haben. Ich sehe sie mir oft an. Und sollte ich wieder einmal im Krankenhaus liegen, habe ich die Fotos bei mir. Die wichtigsten Bilder werden entwickelt / ausgedruckt und in ein Album geklebt, oder in einer Schachtel aufbewahrt. Dafür benötigt man später auch kein Passwort, falls mir das nicht mehr einfallen sollte und der Zugang zu meinem Laptop deshalb gesperrt ist. 🙂

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Mit was man fotografiert, ist ja eigentlich egal. Ob Spiegelreflex, oder spiegellose Systemkamera oder eine kleine Kompakte. Dabeisein muss die Kamera, denn nur dann kann ich Bilder machen. So wie mein Smartphone zum Beispiel. Die Bilder in diesem Artikel habe ich alle mit meinem Telefon gemacht. 

Eine gute Nacht!

Oliver 2.0

 

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

14 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Oliver, ein schöner Beitrag. Tipp von mir, wenn Du die Bilder in eine Kiste/Schachtel oder einen Karton packst….schreibe hinten drauf, wo Du warst und vergiss das Datum nicht. Ich habe so viele Fotos von meinem Mann, von denen ich leider nicht weiß, wo er da wann gewesen ist. LG Claudi

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  2. Ich setzte mir gerne „Marker“, wenn ich mal keine Chance habe, etwas auf Bild festzuhalten oder Momente auch mal zu wertvoll sind, um die Atmosphäre mit einer Camera zu stören. Es sind gedankliche Marker, mit denen ich bewusster den Moment „abspeichere“. Für mich eine schöne und wichtige Alternative!

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  3. Das sind sehr schöne Bilder! Mach weiter so.
    Ich kann das gut verstehen, jedes Bild eine Erinnerung, wer weiß, wozu es gut ist, diese Bilder gemacht zu haben, als Stütze, als Freude, als Hilfe.
    Aber Fotografieren kann auch ein Eintauchen in die Beobachtung, vielleicht ein intensives Wahrnehmen sein, weil man anders auf die Situation schaut, wenn man sie mit der Kamera einfängt.
    Ich gehe anders durch die Welt, seit ich fotografiere. Und mir gefällt das.
    By the way, da fällt mir mal wieder ein, dass ich mir dein Buch besorgen wollte 😉
    Alles Gute, Andrea

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  4. Man könnte es auch so sehen, wie Cees Nooteboom in seinem Roman Rituale: „Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will“ … Kostbare Erinnerungen bleiben in unserem Herzen – manchmal schwächer, manchmal stärker, machmal heiter und manchmal auch sehr traurig. Wichtig ist wohl nur, dass es Erinnerungen in welcher Form auch immer gibt, denn jede Form von Gefühl macht uns lebendig und echt …

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  5. Da geht es mir wie dir. Auch ich hatte Zeiten, da habe ich sehr viel fotografiert. Irgendwie alles, was ich schön fand. Und das war viel. Momentan kommt das zu kurz. Ich denke oft, wenn ich jetzt Zeit hätte, würde ich mit dem Auto anhalten und ein paar Fotos machen. Aber dann fahre ich weiter und verschiebe es auf morgen. Doch dann ist das Licht anders und das Wetter oder beides oder ich fahre woanders lang. Und dann ist es, als hätte ich eine Chance sausen lassen, die nie wieder kommt.
    Mache ich aber manchmal wirklich einen Zwischenstopp für Fotos, dann entstehen gerade morgens oft wunderschöne Fotos, die ich lange später noch sehr gerne anschaue.

    Ergo- ich muss mir mehr Zeit nehmen. Für die Dinge, die mir Freude machen.

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