April.

Es war genug. Ich hatte sozusagen den Kanal, die Schnauze oder sonst was voll. Schnee, Kälte, Grau, Wolken, Schnee und wieder von vorn. Seit Wochen.

Eine endlose Symphonie von immer wiederkehrenden Akkorden, die mir die Hoffnung auf Licht am Ende des Tunnels nahmen und der Tunnel sich stattdessen immer mehr verengte und noch dunkler wurde.

Heute sollte Schluss sein. Heute wollte ich dagegen ankämpfen. Es musste heute ein Ende nehmen. Entweder der April oder ich. Keine Gnade.

Wild stürmte ich hinaus ins Freie wo sich abermals Schneeflocken (groß und leicht) von weit oben, nach unten, auf meine Terrasse und in meinen Garten schaukelten. Gar so als wäre es ein Volksfest, eine Tanzveranstaltung. Nicht mit mir, nicht in meinem Garten. Nicht jetzt, wo ich nicht zum Tanzen darf. Nicht jetzt, da ich keine Party machen darf.

Ihr Schneeflocken habt überhaupt kein Recht dazu.. denke ich, stürme, wie schon geschrieben, hinaus ins Freie und schlage wild um mich.

Eine Schneeflocke nach der anderen nehme ich so auseinander. Hier ein Faustschlag da ein wohlgezielter Kick mit dem rechten Fuß, dann mit dem linken. Und nochmals schnellt meine rechte Faust vor während die Linke nur antäuschte. Ich bin wie Muhammed Ali in seiner besten Zeit und steche wie eine Biene.

Ich weiß nicht wie lange ich auf die Schneeflocken einschlage, aber so langsam gehen mir die Kräfte aus. In meinem Kampfrausch blicke ich kurz um mich – es sind immer noch viel zu viele. Ich muss eingestehen, dass ich dieser Übermacht nur wenig entgegenzusetzen habe. Hatte ich ich übernommen? Sollte ich aufgeben? Sollte ich den Irrsinn weiterhin ohne Gegenwehr gewähren lassen? Einfach so?

Gerade als ich wieder nach einem gekonnten Kinnhaken (in diesem Fall ein Schneeflockenhaken) zurück in meine Ecke taumele, passiert etwas unglaubliches..

Zunächst spüre ich nur eine gewisse Wärme – gut, das könnte auch von meinen Kraftanstrengungen sein – ist es aber nicht. Eine Wärme erfasst mich und hüllt mich gleichzeitig in helles Licht.

Die Sonne.. es ist die Sonne. „Ich wollte es wäre Nacht und die…“ egal, wer kommen soll- jetzt kommt die Sonne – wie eine mächtige Kavallerie stürmt sie hernieder und zerstört regelrecht diese illegale Feier mit tanzenden Schneeflocken. Sie sprengt diese Zusammenkunft. Und eine Schneeflocke nach der anderen gibt sich geschlagen, bis letztendlich keine einzige mehr zu sehen sind. Die letzten, die geschlagen auf meinem Gras oder meinen Terassenfliesen erschöpft zusammenbrechen, lösen sich langsam in Luft auf. Einfach so.

Und am Himmel strahlt die Sonne, gar so als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Ich sitze mit weit von mir gestreckten Beinen (sie schmerzen von den vielen Kicks) auf dem Boden, mit dem Rücken an die Hauswand gelehnt, die Arme nach unten hängend. Ich bin erschöpft, aber von Hoffnung erfüllt. Diese Schlacht wurde erfolgreich geschlagen.

Aber dort hinten, da wo das Blau des Himmels aus dem Horizont zu wachsen schien, da lauerte schon er nächste Angriff – dunkel, bedrohlich…

Für den Moment geniesse ich aber dieses gute Gefühl… ich bin wieder zurück. Und ich werde bleiben. „Aber Du April – Du nicht!“

Oliver 2.0

3 Kommentare zu „April.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s