Chronologie eines Herzinfarkt. Teil 29.

„Eine Mutter tut mehr für ihren Sohn, als sie für ihr eigenes Leben tun würde.“
Gottholod Ephraim Lessing . 1729 – 1781

Ich bin wieder alleine mit meinem Zimmernachbar. Er schläft seelenruhig. Ich greife zur Fernbedienung und schalte das Fernsehgerät ein. Ohne Ton. Eigentlich interessiert es mich auch nicht. Lustlos zappe ich durch. Halt… ich schalte zurück. In irgendeinem Privatsender läuft ein alter US-Spielfilm. Es geht um einen Delfin und einen Jungen. Nein, nicht Flipper. Irgend ein anderer Film aus den 70igern. Er spielt in den Keys vor Florida. Vor vielen Jahren war ich schon einmal dort. Ich geniesse den Film. Freundschaft zwischen Mensch und Tier – ein schönes Thema. Was wohl mein Hund macht? Auch er fehlt mir unglaublich. Ob er sich auch wundert, dass ich so lange weg bin?
In dem Film soll wohl der Delfin weggebracht werden. Der Junge weint und wehrt sich. Beide flüchten – der Junge in einem Boot und der Delfin nebenher. Tierfreundschaften sind etwas dauerhaftes. Nichts kann ein solches Bündnis trennen. Anders sieht es bei Menschen aus. Über mein Apfelfon haben mich schon viele Glückwünsche per SMS erreicht. Von Kollegen, Nachbarn, Kunden und halt Bekannten. Von meinem engsten Freundeskreis… nichts. Irgendwie macht es mich nicht traurig. Vielleicht hatte ich es genauso erwartet. Komisch ist es trotzdem. Naja, vielleicht wissen sie es ja noch gar nicht. Aber wenn sich schon die Nachbarn melden…

GEKÜRZT, Wegen Überarbeitung.