Der Franzose und ich. Alleingelassen.

Der Franzose und ich. Alleingelassen.

Am Wochenende war es soweit – der Franzose und ich hatten den ersten großen Streit. Und das kam so…

Wir machten einen Sonntagsausflug. Er saß wie immer auf dem Beifahrersitz und schaute aus dem Seitenfenster. Er liebt das.

Ich schaltete also das Radio ein und lauschte den Nachrichten als er plötzlich auf die Tasten haute und einen Rocksender einstellte. Laut hämmerte die Musik in meinen Ohren. Ich schaltete wieder zu den Nachrichten und was machte er? Schaut mich vorwurfsvoll an und drückt dabei lässig nochmals die andere Taste. Wieder flog mir seine Heavy Metal Musik um die Ohren. Nunja… wir schalteten so gefühlte zwanzig Kilometer hin und her. Dann wurde es mir aber zu bunt. Völlig genervt drehte ich das Radio ab. In der Hoffnung, dass nun endlich Ruhe sei, versuchte ich, mich wieder auf den Strassenverkehr zu konzentrieren. Plötzlich knallt laut der Fahrtwind in den Innenraum. So schnell konnte ich gar nicht reagieren, wie er plötzlich die Beifahrerscheibe herunterdrehte und er seinen Kopf in den Fahrwind streckte… bei 180 km/h wohlgemerkt.

Das war mir dann zuviel. Meine Nerven waren am Ende mit dem Hund. Am nächsten Parkplatz fuhr ich sofort raus, überlegte kurz und tat dann das, was man normalerweise nicht macht: ich schubste die Bulldogge auf dem Rastplatz aus dem Auto und band ihn an ein Schild, setzte mich wieder ins Auto und fuhr einfach ohne ihn davon. Im Rückspiegel sah ich noch seinen blöden Blick. „Selber schuld“ dachte ich mir. Ich fuhr wieder auf die Autobahn Richtung Heimat. Was für eine Ruhe. Ich schaltete das Radio an und lauschte einem Klassik-Sender… für genau zehn Kilometer. Dann plagte mich plötzlich das schlechte Gewissen: „Meine Güte, was habe ich nur getan? Der Hund frisst den Reisenden den Proviant weg…“  Ich blickte kurz in den Spiegel, um mich zu vergewissern, dass hinter mir kein Auto war, und trat voll auf die Bremse. Noch während der alte Chevy aufjaulend in den Federn ächzte und unter lautem Quitschen die Reifen anfingen zu qualmen, riss ich ich das Lenkrad herum um den Wagen zu wenden. „Put the pedal to the metal“ dachte ich mir und schon ging es mit Vollgas auf der Autobahn zurück Richtung Raststätte. Ich hatte Glück, den im Radio meldeten sie plötzlich einen Geisterfahrer auf meiner Strecke. Gottseidank war da keiner. Wie hätte ich den denn sonst überholen sollen bei dem Gegenverkehr. Schließlich hatte ich es ja eilig.

Naja, jedenfalls kam mein Fahrzeug wieder dort zu stehen, wo ich den Franzosen zurückgelassen hatte. Der Franzose war da… und mit ihm zwei junge Damen, die gerade versuchten, mich mit ihren Blicken zu töten, während sie die Bulldogge knuddelten und tätschelten. „Hast was vergessen?“ dachte der Franzose sich nur. Ich stieg aus dem Auto und nahm ihn hoch in meinen Arm. „Es tut mir leid, es tut mir ja so leid… verzeih mir!“ Sein Sabber lief mir über die Schulter. „Hast was zu Essen geholt?“ dachte der sich nur. Eine Weile später saßen wir beide wieder in unserem Auto und fahren wieder nach Hause. Das Polizeiaufgebot auf dem Parkplatz fiel mir dabei gar nicht auf.

Wir hatten uns wieder – das alleine war wichtig. Und so blieb das Radio aus und wir trällerten gemeinsam unser Lieblingslied von Rod Steward: „Do ya think I’m sexy… Lalala…“

Tja liebe Leser – wenn Euch ein Fahrzeug entgegen kommt mit zwei singenden Typen (einer mit großen Stehohren) – Fahrt bitte äußerst rechts und überholt nicht. Es wird gemeldet wenn die Gefahr vorbei ist.

Seid sexy,

Euer Oliver 2.0

Der Franzose und ich. Kurzgeschichten

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Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

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