Der Tod… ein paar Gedanken.

Der Tod… ein Text über den Tod. Und das an einem so schönen Tag wie heute, der Mittwoch am 4. Juni 2014. Nun, ich dachte mir, dies ist ein Herzinfarkt-Blog. Da gehört auch der Tod dazu. Und der macht auch bei schönem Wetter keine Pause. Zumal sich nächsten Monat mein Herzinfarkt zum dritten Mal jährt. Da macht man sich immer wieder mal Gedanken. So auch vergangene Nacht.

Ich stelle mir den Tod vor wie eine Haltestelle – eine Endhaltestelle. Wenn der Bus dort hält, müssen alle das Fahrzeug verlassen. Am Schluss kommt noch die Putzkolonne und räumt auf, während die ausgestiegenen Insassen sich in der Dunkelheit verteilen. Man kann natürlich in einen der anderen Busse oder Bahnen einsteigen oder man verliert sich eben irgendwo und ist dann einfach weg.

Ein Leben nach dem Tode? Ohja – die Möglichkeit besteht. Ich durfte es ja selbst erfahren. Ob das immer so ist, kann ich nicht sagen. Aber es gibt eine Möglichkeit weiterzuleben – auch nach dem Tod. Es ist eigentlich ganz einfach und inzwischen ist es auch zu meiner Lebensmaxime geworden. Denn wieder auf so ein Erlebnis wie nach meiner Herz-OP zu hoffen… lieber nicht. Am Schluss bin ich noch enttäuscht, wenn es doch anders ist.

Wie also bleibt man unsterblich? Wie lebt man weiter?

Nun, für mich ist es ganz einfach. Ich habe einen Sohn. Menschen, die ihn sehen, sagen: „Ganz der Vater!“ oder „Er hat Deine Augen!“ Es dürfte naheliegen, dass ein großer Teil von mir, bereits in ihm ist. Mit den Jahren wird er feststellen, dass er vielleicht die gleichen Äußerungen tut wie ich. Andere werden wiederum feststellen, dass er sich manchmal genauso bewegt wie ich. Ist das nicht ein Leben nach dem Tod? Und so trägt jeder etwas in sich von all den Menschen, die vor uns lebten und auf diese Art und Weise nie so ganz verschwinden wie die Insassen des Busses, die keine andere Haltestelle mehr finden.

Sind wir Menschen uns dessen eigentlich bewußt? Sind wir uns dieser immensen Verantwortung auch bewußt, welche wir in uns tragen?

Aber selbst wenn ich nun keine Kinder habe, gibt es ein Leben nach dem Tod: in den Erinnerungen der anderen. Es gibt sie – die Menschen, welche sterben und dann schnell vergessen sind… zumindest bei einem Großteil. Es gibt aber auch die anderen, die in vielen Herzen und in vielen Gedanken für immer wohnen. Weiterleben tun sie alle… und wenn es nur in einem Menschen ist, der an sie denkt. Irgendwie werfen wir alle Schatten oder hinterlassen Spuren. Es hängt von uns selbst ab: Freundschaften pflegen, hilfsbereit sein und einfach am Leben und am Leben der Mitmenschen teilnehmen. Das hört sich vielleicht etwa sehr nach Pfadfinder an. Nun, es ist halt meine Meinung… und ich war Pfadfinder als Kind.

Es hört sich aber auch nach Bibel an. Aber ich habe es ganz ohne dieses besondere Buch erklärt. Das geht ebenfalls und meint doch dasselbe. Ich lebe in den Menschen weiter, welche mich auch nach meinem Tode noch in ihren Gedanken oder Herzen tragen.

Ich finde, dass das für ein weiteres Leben doch reicht und ziemlich komfortabel ist. Nochmals in die Schule, nochmals eine Berufsausbildung in einem richtigen anderen Leben? Nochmals zum Finanzamt mit der Steuererklärung? Nene… das muss nun wirklich alles nicht mehr sein.

„Wir erreichen nun die Endstation. Wir bedanken uns, dass Sie mitgefahren sind. Der Bus endet hier. Wir bitten, alle Fahrgäste auszusteigen. Bitte vergewissern Sie sich, nichts vergessen zu haben!“ – Bitte vergewissern Sie sich, nichts vergessen zu haben…- genau dafür haben wir ein ganzes Leben lang Zeit.

Dieser plötzliche Herzinfarkt, das plötzliche aus dem Leben gerissen werden… das hat mich ganz schön erschreckt. Das Schlimmste war die Tatsache, dass so viele Dinge nicht geklärt sind. Und dann sterben? Einfach so? Während quasi die Herdplatte noch an ist, der Müll noch nicht rausgetragen und das Auto zum TÜV muss? Vorbereitung ist alles… dann kann man das Ganze entspannt angehen. Wir wissen alle irgendwie dass wir einmal sterben müssen. Aber in unserer Kultur wird das gerne bis zum Schluss verdrängt. Dabei schliessen sich Tod und Leben gar nicht aus. Ich möchte fast behaupten… das Eine gibt es ohne das Andere nicht.

Ein erfülltes Leben, und damit meine ich nichts materielles, sollte das Ziel sein. Wenn einem das gelingt, was nicht ganz so leicht ist, dann hat man am Schluß das Recht, sich hinlegen zu dürfen.

Angst vor dem Tod habe ich nicht. Vor dem Sterben schon… das kann fies sein.

Das waren nur ein paar Gedanken – kein erhobener Zeigefinger.

In diesem Sinne trotzdem einen schönen sonnigen und erfüllten Tag!

 

Euer Oliver 2.0

R0011471

Kurzgeschichten selbstgespräche Uncategorized

oliver2punkt0 View All →

Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

19 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Soziologisch nennt man das, glaube ich mich zu erinnern, Kontinuum. Wir alle tragen etwas in uns, was uns von unseren Vorfahren mitgegeben wurde und was wir weitergeben. 🙂 Ich bin ganz bei Dir … wer weiss, was das Leben noch vor dem Tod mit uns vorhat. Wir sollten es auskosten und wenn es dann so weit ist … so what?! Ändern werden wir es nicht, aber vielleicht mit Freude sagen können: „Ich habe gelebt“ … lg

    Gefällt mir

  2. Dabei schliessen sich Tod und Leben gar nicht aus. Ich möchte fast behaupten… das Eine gibt es ohne das Andere nicht.

    Und das eine gibt dem anderen Wert. Man schätzt und genießt das Leben mehr, wenn man sich seiner Vergänglichkeit bewußt ist.

    Gefällt mir

  3. Allso meine Angst ist umgekehrt. Ich habe nichts gespürt, keinen Schmerz, nicht mal ein Ziehen. Es wäre einfach so vorbeigewesen. Plötzlicher Herztod. Punkt. Vor dem Sterben habe ich keine Angst. Ich bin eher in Sorge, dass ich dann doch was im Bus vergessen hab.
    Ich glaube aber so wie Du, dass wir in unseren „Lebensspuren“ und unseren Kindern weiterexistieren.
    P.S. Pfadfinder finde ich super – Familientradition!

    Gefällt mir

  4. Das Thema mit sich selber auszumachen ist das eine.
    Das andere aber ist die Frage: Wie spreche ich mit der Familie drüber?
    Denn es kann jeden von uns auf die eine oder andere Weise jeden Tag erwischen.
    Alten Leuten gesteht man zu, dass sie Wünsche äußern oder niederschreiben, wie sie alles geregelt haben wollen. Jüngere Leute stoßen bei dem Thema leider oft auf entsetzte Blicke. Leider ist dieses Thema einfach nicht gesellschaftsfähig.

    Durch Beiträge wie deinen hier kommen wir alle wenigstens schon mal gedanklich ein Stück weiter. Danke dafür.

    Gefällt mir

    • Vielen Dank für Dein Feedback. Ja, die Jugend ist noch weit weg vom Tod. Meistens zumindest. Aber ein offenerer Umgang täte allen gut. Denn dann übernimmt vielleicht auch leichter die Verantwortung für sich.
      Gruß,
      Oliver 2.0

      Gefällt mir

  5. ich habe aus beruflichen Gründen mit Leben und Tod zu tun. Und ich habe meine Mutter beim Sterben begleitet. Ich habe mehr Angst vor dem Vorgang des Sterbens als vor dem Tod. Und als zurückgelassener trauernder Mensch ist diese Endgültigkeit es Todes unfassbar schwer. Als begleitender Mensch , als Tochter ( oder Sohn, egal) die Begleitung, die Hilflosigkeit, die schon vorweggenommene Trauer…Toll, das du so offen und ehrlich über den Tod- und den Weg dahin- schreibst. LG K

    Gefällt mir

  6. Danke für diesen Interessenten Beitrag. Ich bin auch mal dem Link zur Nahtoderfahrung gefolgt und habe diesen gelesen.
    Eine Begegnung mit dem Tod wünscht man niemandem, doch trotzdem kann eine solche Erfahrung manchmal sogar ein Gewinn sein. Die Bahn, in welchem das eigene Leben über Jahre gelaufen ist, oft nicht besonders glatt, wird abrupt unterbrochen. Bei vielen Menschen erfährt das Leben dann eine neue Bewertung und wird oftmals auch neu ausgerichtet. Bei dir scheint dieses der Fall gewesen zu sein. Auch wenn die Erfahrungen sich, wie bei dir, sehr unangenehm gewesen ist, hat sie dein Leben letztlich bereichert. Ich selbst bin zum Glück nie so dicht tot gewesen wie du. Trotzdem habe ich mein Leben unter die Lupe genommen und mir vorgenommen, in Zukunft einiges zu ändern. Das Leben, vor allem draußen in der Natur, nehme ich viel intensiver wahr als zuvor. Einige Prioritäten haben sich verschoben.
    Wie du richtig schreibst, bleibt im Falle eines Todes oftmals sehr viel unerledigt liegen. Welchen Umfang dieses haben kann, habe ich selbst erst in dem Moment gemerkt, als ich mich auf mein mögliches Ableben vorbereitet habe. Es gibt so vieles, vor allem wenn man online sehr viel macht, Passwörter, Abbuchungsaufträge, Abonnements,… Was passiert mit den persönlichen Dingen? Was möchte man wie geregelt haben? Es ist so vieles, über das man sich im Alltag keine Gedanken macht. Und dann passiert es und nichts ist geregelt, niemand weiß Bescheid. Ich war viele Tage damit beschäftigt, alles zusammen zu suchen und aufzuschreiben, für den Fall der Fälle.
    Du schreibst: „Freundschaften pflegen, hilfsbereit sein und einfach am Leben und am Leben der Mitmenschen teilnehmen.“ Ich denke, das ist nicht nur wichtig für die Zeit nach dem Tod, dass einen die Menschen in Erinnerung behalten, sondern auch für Zeiten schwerer Krankheit. Was du beschreibst, bezeichne ich für mich als Karma-Punkte. Die sammelt man (oder auch nicht) über sein ganzes Leben. Was du gibst, kommt so quasi zurück als eine Art Guthaben. In Zeiten der Not kann man dann von diesem Konto zehren.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: