Der Franzose und ich… und der Hirsch, der eigentlich ein Elch war.

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Die Geschichte begann hier – Der Franzose und ich. Mademoiselle Lilly.

Fortsetzung:

Wie versprochen ging ich mit den beiden, Monsieur Spike und Mademoiselle Lilly in die nächste Eisdiele um ihnen ein Eis zu spendieren.

„Wasse darfe es sein?“ sprach mich der kroatische Kellner mit feinstem italienischen Akzent von seitlich hinten an.

„Was wollt Ihr beiden?“ fragte ich die beiden Franzosen. Die schauten mich nur an wie eine Kuh wenn es blitzt.

„Bringen Sie uns bitte zwei kleine Eisbecher und einen Eiskaffee“, bestellte ich unser Eis.

Der Kellner schaute verdutzt drein. „Isse die andere beide Becher für die Hunde?“

Lilly rümpfte die Nase und drehte den Kopf entrüstet weg. Ich setzte meine Sonnenbrille höher auf die Stirn und musterte den Kellner: „Natürlich nicht! Der Eiskaffee ist für ihn!“ Ich deutete auf Spike, die französische Bulldogge. Kopfschüttelnd verliess der Kellner unseren Tisch und tauchte ein wenig später wieder mit unserer Bestellung auf: „So, zweiemale gemischtes Gelati unde uno Eiskaffee für den Herrn – äh Hund.“

Spike betrachtete den Eiskaffee und fixierte augenblicklich den Kellner. Mit seinem hypnotischen Blick brachte er den Kellner in Verlegenheit.

Der: „Wasse los? Wasse nixe in Ordnung?“

Der Franzose kniff drohend seine Augen zusammen. Ich beobachtete wie dem Kellner die Knie zitterten und so musste ich die Situation entschärfen: „Alles in Ordnung. Bringen Sie ihm nur einen Keks. Der fehlt nämlich.“

Der Kellner hörte auf zu zittern und bei Spike entspannten sich die Gesichtszüge. Ohne weitere Vorkomnisse konnten wir dann unser Eis geniessen. Allerdings – wir waren kaum fertig, da schoss es mir durch den Kopf – „Meine Güte… der Hirsch lag ja noch zuhause unter dem Küchentisch. Der verwest doch bestimmt.“

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht wissen, dass ich den Hirsch nur mit einem Streifschuss getroffen hatte und dieser vor Schreck nur in Ohnmacht gefallen war. Der Hirsch war inzwischen aufgewacht und momentan dabei, unsere Blockhütte zu verwüsten.

Mich beschlich ein mulmiges Gefühl… „Hallo, wir würden gern zahlen!“

Kurze Zeit später bewegte ich den alten rostigen Chevy mit quitschenden Reifen um die Ecken der Kleinstadt. Vor der Blockhütte angekommen krachte das alte Vehikel auf den Randstein und eine Radkappe löste sich, rollte noch ein paar Meter weiter, um dann in einem scheppernden Eiertanz zum Liegen zu kommen.

Hastig hüpften wir aus dem Auto und rannten zur Türe unserer Hütte. „Was ist denn los mit Dir?“ schaute mich der Franzose fragend an.

„Ich weiß nicht – werden wir gleich sehen.“ Ich öffnete die Tür. Drinnen war es mucksmäuschen still. Langsam schlichen wir uns hinein. Erst ich, dann Spike und dann Mademoiselle Lilly. Ich stoppte: „Lilly, ich glaube es ist besser, wenn Du im Auto wartest!“ Mit einem schnippischen „Pfffhhhh“ riss sie ihren Kopf nach hinten und zog ihren schlanken Körper nach. Entrüstet wackelte sie zum Auto und liess sich dort auf dem Fahrersitz nieder.

Wir schlürften vorsichtig in die Küche, Spike setzte sein gefährlichstes Gesicht auf… ungläubig starrte ich auf den leeren Boden wo vorhin noch der erlegte Hirsch lag. Trümmer von zerdeppertem Porzellan zierten die Holzdielen, aber kein Hirsch. Ich konnte es nicht glauben, stürzte sofort ins Wohnzimmer. Auch hier erwartete mich das totale Chaos, als wenn jemand gewütet hätte. Der geschmückte Christbaum war sogar umgestürzt. Ja ich weiß, es ist Juli. Ich wollte das alte Ding nächste Woche entsorgen.

Ich setzte mich auf das Sofa und überlegte… waren Einbrecher hier und haben den Hirsch geklaut?

Plötzlich hörte ich ein lautes Schnarchen aus dem Schlafzimmer. Spike und ich schauten uns an. Gänsehaut lief uns den Rücken hinunter. „Sieh nach!“ forderte mich die Bulldogge auf. „Immer ich“, dachte ich mir, stand aber trotzdem auf und schlich ins Schlafzimmer. Langsam öffnete ich die Tür und traute meinen Augen nicht. „Schnell hol den Fotoapparat!“ flüsterte ich dem Franzosen zu. Der zuckte verständnislos mit der Schulter und brachte mir das Teil.

Ich schlich mich weiter vor, den Fotoapparat ans Auge gedrückt. Dann fotografierte ich ihn… den Hirsch in meinem Bett.

Plötzlich, ohne Vorwarnung, drehte der den Kopf zu mir (die Christbaumbeleuchtung hing noch in seinem Geweih), riss seine Augen weit auf und schnellte nach vorn in meine Richtung um mich laut röhrend anzuschreien: „ICH BIN EIN ELCH DU DEPP!“ Der Schreck fuhr mir in die Knochen und erfüllt mit Angst vor dem wildgewordenen Elch machte ich einen Satz hüpfend zurück, verlor dabei das Gleichgewicht und fiel aus dem geschlossenen Fenster.

Schweißgebadet riss ich den Kopf hoch und blickte nach Luft schnappend um mich… ich lag in meinem Schlafzimmer. Alles ruhig. Kein Hirsch, äh Elch. Nur zwei Augen glotzten mich aus dem Dunkeln an: „Alles okay mit Dir? Ich glaub, Du hast was geträumt!“ beruhigte mich der Franzose.

Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn: „Das hoffe ich auch… da war dieser Hirsch, der ein Elch war und diese Französin… wie war denn gleich ihr Name?…“

„Lilly!“ antwortete die Bulldogge.

„Ja genau, Lilly… momentmal, woher weißt du…?“

„Weil sie gerade im Bad auf dem Klo sitzt!“

Ich drehte meinen Kopf ins Kopfkissen und stieß einen lauten Schrei in die Gänsefedern. Ich war einfach urlaubsreif…

In diesem Sinne, Euch eine weiterhin schöne Urlaubszeit, den Heimkehrern eine gute Zeit!

Oliver 2.0

Achja… das Foto:

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Der Franzose und ich. Foto Kurzgeschichten

oliver2punkt0 View All →

Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

11 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Editieren
    Eine absolut geile Geschichte und hervorragend erzählt. Ich sitze hier aktuell auf meinem Kommandosessel und habe vor lauter Lachen tränen in den Augen. Das Foto von Spike ist ein Hammer und zeigt mir als Betrachter super auf was für eine Granate von tollen Kerl dieser Hund sein muss. Mehr davon bitte !!

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  2. Herrliche Story und wirklich toll erzählt. Ich liebe diesen Humor und würde ebenfalls gerne mehr davon lesen. Vielleicht kaufe ich sogar nächstes Weihnachten mal einen Christbaum und lasse ihn streßfrei bis Juli stehen…
    Beste Grüße, Josephine.

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