Michael Clarke Duncan ist gestorben.

Im Alter von 54 Jahren starb „Big Mike“ an den Folgen eines Herzinfarkt, welchen er vor 2 Monaten erlitt.
Michael Clarke Duncan ist besonders vielen aus der Stephen King Verfilmung „Green Mile“ bekannt. Dort spielte er sich an der Seite von Tom Hanks in die Herzen der Zuschauer. Aber nicht nur beim Publikum – mit seiner Herzlichkeit und seinem tiefen Lachen aus dem Bauch heraus, wurde der Riese zu einem beliebten Kollegen unter den Schauspielern und Hollywoodgrößen.
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Chronologie eines Herzinfarkt. Teil 11

Galgenhumor übt oder besitzt, wer in einer für ihn nachteiligen, bedrohlichen oder ausweglosen Situation ein komisches Element findet und seine Lage oder sich selbst belacht oder verspottet, indem er beispielsweise sein Unglück auf humorige oder ironische Weise in einen Vorteil umdeutet. Wörtlich meint Galgenhumor die Witzeleien eines Verurteilten auf dem Weg zum Galgen. (Quelle: Wikipedia)

Gekürzt…

Am 21. März 2016 erscheint mein Buch NEUSTART (KLICK)!

 

Ein Interview.

Frau A: „Herr 2.0, heute, vor genau einem Jahr, erlitten Sie einen schweren Herzinfarkt. Wie geht es Ihnen heute?“

Herr 2.0: „Mir geht es gut. Nein… mir geht es sehr gut.“

Frau A: „Auf was führen Sie das zurück?“

Herr 2.0: „Dass es mir gut geht? Das hat viele Ursachen. Sport, Ernährung und die Tatsache dass ich noch am Leben bin.“

Frau A: „Und wie ist das mit dem Stress? Haben Sie beruflich einen Gang zurückgeschaltet?“

Herr 2.0: „ich glaube, man kann in den wenigsten Berufen einen Gang zurückschalten. In meinem überhaupt nicht. Ist auch nicht nötig.

Frau A: „Nicht?“

Herr 2.0: „Das Leben bietet privat noch genügend Gestaltunsmöglichkeiten. Da muss man den Hebel ansetzen. Genau da passieren auch meist die Fehler, welche dann den Stress auslösen. Kurz gesagt – wenn es im privaten stimmt, wenn ich dort meinen Ausgleich habe, kann mir der Stress im Geschäft nichts anhaben.“

Frau A: „Sie würden aber schon auch Stress als Ursache für Ihren Herzinfarkt ansehen?“

Herr 2.0: „Das haben Sie gesagt… Nein. Stress verstärkt Symptome wie zum Beispiel Bluthochdruck. Bei mir liegt aber das Übel in zu hohem Cholesterin.“

Frau A: „Wobei über Cholesterin viel spekuliert wird.“

Herr 2.0: „Ich spekuliere nicht. Man hat mir den Brustkorb aufgesägt und mein operierender Arzt hat mir von meinen Herzkranzgefässen erzählt. Diskussionen über Cholesterin gibt es in den Medien und Büchern. In Großhadern gibt es die Diskussion nicht. Deren Meinung schließe ich mich an.“

Frau A: „Sie vertrauen Ihren Ärzten?“

Herr 2.0: „Ja. Ohne dieses Vertrauen wäre ich nicht so schnell genesen. Ohne Vertrauen wäre ich nicht so entspannt in die Op.“

Frau A: „Sie sind entspannt in die Op?“

Herr 2.0: „Genau. Ich wusste, jetzt werden alle Zähler auf Null gesetzt – ein Reset sozusagen.“

Frau A: „Lassen Sie uns über heute sprechen. Ihnen geht es gut wie Sie sagen. Verblassen nun allmählich die Erinnerungen und ist das nicht gefährlich?“

Herr 2.0: „Die Gefahr besteht nicht. Ich sehe jeden Morgen im Spiegel eine große Narbe auf meiner Brust. Jeden Morgen und jeden Abend nehme ich je zwei Tabletten zu mir. Manchmal glaube ich, den Titandraht in meiner Brust zu spüren, je nach Wetterlage. Und jedes Mal wenn ich Fahrrad fahre bin ich im Prinzip auf der Flucht vor einem neuen Herzinfarkt. Nein, da verblasst nichts. Die Erinnerung ist voll da und der Herzinfarkt gehört zu meinem Leben.
Aber, und darüber bin ich froh – der Herzinfarkt ist ja keine Krankheit. Es ist ein Ereignis in der Vergangenheit. Aber ein Wendepunkt in meinem Leben.“

Frau A: „Warum schreiben Sie einen Blog über Ihren Herzinfarkt?“

Herr 2.0: „Es gibt in Deutschland fast 1.000 Infarkte täglich. Sehr viele sterben daran. Ich möchte ein wenig Licht aus Patientensicht in die Sache bringen. Es gibt viele Informationsmöglichkeiten über die Entstehung usw. Das fatale daran, es interessiert erst, wenn es zu spät ist. Dabei ist es so einfach nur ein wenig gesund zu leben.“

Frau A: „Sie glauben, dass Sie die Menschen vorher erreichen?“

Herr 2.0: „Nein, ich befürchte nicht. Aber es sind mir auch die anderen Flatliner wichtig, welche bereits einen hatten. Viele fallen danach in eine Depression. Für viele scheint das Leben zu Ende. Vielleicht erreiche ich die ja, oder ihre Angehörigen und Freunde. Denn es fällt doch vielen schwer auch darüber zu reden. Deshalb mache ich meine Klappe auf.“

Frau A: „Da kann man Ihnen nur Glück wünschen und dass Sie weiterhin das Leben geniessen.“

Herr 2.0: „Oh nein… Ich geniesse nicht das Leben. (lacht) Das Leben ist oft viel zu hart um es auch nur annähernd geniessen zu können. Ich genieese die kleinen Momente, welche das Leben ebenfalls bietet. Das sollten Sie auch tun… Geniessen Sie die kleinen Dinge im Leben! Die gibt es umsonst und machen Spass.“

Frau A: „Gestatten Sie mir zwei Fragen zum Schluss… Wie begehn Sie diesen heutigen Jahrestag und wieso nennen Sie sich 2.0?“

Herr 2.0: „Ich gehe heute abend schön essen. 2.0 nenne ich mich, weil ich Ausgabe 2 bin. Ein Update sozusagen. Da ist noch Luft nach oben (lacht).“

Frau A: „Vielen Dank für dieses Gespräch Herr 2.0.“

Herr 2.0: „Bitte, gern geschehen.“

Dieses Interview wurde am 28. Juli 2012 nach dem Frühstück aufgezeichnet. Interviewerin war Frau A mit ihrem Gast Herr 2.0.

Ein Abschied.

Aus. Leer. Vor fast einem Jahr kaufte ich mir für teures Geld eine Narbensalbe. Heute früh nach dem Duschen war sie leer. Sie hat eine lange Zeit gehalten…schon komisch – ist irgendwie einem Abschied ähnlich.
Genau wie mein Optimismus. Ich fürchte, dass ich auch den aus dieser Tube heraus gequetscht hatte.

Nach meinem Herzinfarkt, nach meinem Beinahe-Tod wuchs ich über mich hinaus. Bei Null angefangen steigerte ich meine Leistungsfähigkeit beinahe täglich. Depressionen blieben aus, an Selbstmord habe ich nie gedacht. Das kommt bei manchen Operierten nach der Herz-Lungen-Maschine schonmal vor. Und nun?
Plötzlich fühle ich mich leer.
Zum erstenmal widern mich heute früh meine Tabletten an. Meine bunten Lebensretter, die ich jeden Montag aus der Verpackung drücke und in meinen Wochenbehälter sortiere – eine kleine runde weiße, eine ovale rosafarbene, eine weiße große mit Sollbruchstelle und eine große weiße in Zäpfchenform. Bis vor einem halben Jahr waren es 7 täglich, davor 9. Über 1.500 Tabletten habe ich seit knapp einem Jahr in mich reingestopft. Über 1.500!

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Ich blicke in den Spiegel. Die Narbe sieht gut aus. Sie wird aber immer da sein. Die Ausheilung ist nach einem Jahr abgeschlossen, sagten die Ärzte damals. Eine neue Narbensalbe benötige ich also nicht. Die alte Tube kann also endgültig in den Müll. Zusammen mit meiner Hoffnung, dass ich meine Hände wieder ganz spüre.
Jeweils in jeder Handhälfte habe ich ein Taubheitsgefühl.
Das ist ein Lagerungsschaden sagten sie. Kann bis zu nem Jahr dauern. Wenn es dann nicht besser ist, erholen sich die Nerven wohl nicht mehr. Ein Lagerungsschaden… Während der mehrstündigen OP wird man wie gekreuzigt auf den OP-Tisch gezurrt. Das kann schonmal Nerven abdrücken. Also werd ich mich von den beiden Handhälften auch verabschieden können.

Naja, es stört mich nicht groß, außer ich schreibe am Computer. Ich muss laufend korrigieren, da ich die Tastenanschläge in 4 Fingern nicht spüre.

Bald ist es ein Jahr her… Ich werde mich wieder aufraffen, mich gleich heute abend aufs Fahrrad schwingen und versuchen, den Gedanken, dass ich vor dem Tod davonfahre, verdrängen.

Ich sage mir: „Wenn man einen Herzinfarkt ohne Folgen überlebt hat, gibt es viel schlimmere Krankheiten! Und doch bleibt es immer irgendwie ein Kampf.“

Heute bin ich auf jeden Fall wieder auf hartem Boden gelandet. Vielleicht ist es gut so.

In diesem Sinne,

Oliver 2.0