Was für’s Herz…mein Hund.

Etwas für's Herz...mein Hund.

Das ist Spike, eine männliche Französische Bulldogge – ein Bully also. Und er ist der beste Therapeut, den ich mir wünschen konnte.

Wir beide haben schon einiges erlebt. Im zarten Alter von 5 Monaten brach er sich das Kniegelenk des Vorderlaufs. Mit Schrauben und Splinten wurden die Knochen fixiert. 7 Wochen Ruhe… bei einer halbjährigen Bulldogge. Hundebesitzer wissen was dies bedeutet.
Nun in dieser Zeit waren wir voll für ihn da. Wir spielten stundenlang – immer mit Rücksicht auf seine Verletzung. Aber es sollte nicht besser werden. Er humpelte und benutzte das immer dünner werdende Bein nicht mehr.
Ich bat die Ärztin, die Schrauben zu entfernen. Sie willigte ein. Nach der erneuten Operation ging es bergauf mit Spike. Das Bein ist wieder gesund. Nur noch eine lange Narbe erinnert an die Schmerzen, die wir alle durchgestanden hatten.

Dann war ich im vergangenen Jahr dran. Nach meinem Herzinfarkt kam ich nach Krankenhaus und Reha erst nach 4-5 Wochen heim. Eine lange Zeit für einen Hund ohne sein Herrchen. Eine lange Zeit für mich.
Normalerweise werde ich von ihm immer stürmisch begrüßt. Auch wenn ich nur eine Stunde weg war. An dem Tag, als ich von der Reha zurückkam war alles ganz anders…

Ich schleppte mich in Begleitung meiner Frau von der Haustüre ins Wohnzimmer zum Fernsehsessel und liess mich erschöpft darin fallen – so richtig waren meine Kräfte noch nicht wiedergekehrt.

Spike kam von der Terasse reingewackelt und sah mich. Er hüpfte einfach auf meinen Schoss, vorsichtig. Das Fledermausohr schnupperte kurz an meinem Brustkorb, wohl spürend, dass da unter meinem T-Shirt etwas anders war als sonst.
Dann kuschelte er sich dicht in meinen Schoß und schlief auf mir ein.

Für ihn war die Welt wieder in Ordnung… für mich in diesem Moment auch.

Die Tage darauf begann ich wieder mit ihm Gassi zu gehen. Oder ging er mit mir? Erst waren es kurze Strecken und wir gingen sehr langsam. Geduldig bremste Spike sein Temperament, gab sich auch mit wenigen Schritten zufrieden.
Das Wetter in diesem September war wunderschön und so waren wir oft draussen. Die Spaziergänge wurden immer länger, unsere Schritte immer schneller.
Eines Tages – der Oktober hatte bereits begonnen – war da dieser Moment wo er auf einem Feldweg plötzlich wie angewurzelt stehen blieb und mich ansah. Nur Bullybesitzer kennen diesen Blick von dem ich rede…
Wir blickten uns lange an, sehr lange. Bullys reden mit Ihren Augen… Er sagte: „Auf geht’s, Du kannst es! Du bist wieder der Alte!“
Plötzlich explodierten wir beide und stürmten wie wild auf die Wiese neben dem Weg. Ich weiß nicht wie lange wir da tollten und Fangen spielten. In diesem Moment gab es weder Zeit noch eine bestimmte Pulsfrequenz.
Das einzigste was ich wußte… Alles wird gut.

Was für's Herz

oliver2punkt0 View All →

Ich bin Ausgabe 2.0 von Oliver. Komplettes Update erfolgte am 2. August 2011.

6 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Nicht nur Bullys reden mit ihren Augen. Mein kleiner Hund kann das auch, ich glaube, alle Hunde können das, zumindest könnten sie es. Als mein Mann starb, stand der kleine Mixi auf seinem Bett und den Blick werde ich nicht vergessen.

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