Thorsten Schlösser stirbt an Herzinfarkt.

Soeben lese ich, das Thorsten Schlösser im Schlaf gestorben ist – Herzinfarkt. Mit nur 41 Jahren.
Thorsten Schlösser war Immobilienmakler in der Fernseh-Doku „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

Er sah so gar nicht nach Herzpatient aus… er ist doch noch viel zu jung…

Hm… Der meiste Satz den ich nach meinem Herzinfarkt in der Klinik hörte war eben dieser: „Sie sehen gar nicht nach einem Herzpatienten aus! Sie sind doch viel zu jung.“

Ganz ehrlich? Kein Herzpatient in der Klinik und in der Reha sah wirklich danach aus…von ein paar Ausnahmen abgesehen. Die meisten waren jung.
Nun, vielleicht ist die Überlebenschance bei den jungen einfach höher?

Das Durchschnittsalter bei Herzinfarkt liegt bei ungefähr 49 Jahren. Laut meinem Arzt liegen aber auch viel jüngere in den Kliniken. Wenn ich richtig informiert bin, liegt die Todesrate bei einem Herzinfarkt bei ca. 40%. Eine stattliche Summe bei ca. 280.000 Infarkten am Tag. Hinzu kommen ungefähr 200.000 Schlaganfälle.

Egal, Thorsten Schlösser war trotzdem zu jung. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder…

Chronologie eines Herzinfarkt. Teil 6.

„Was war Deine bislang beeindruckendste Begegnung?“

„Hm… der Tod!“

„Nicht Gott?“

„Dem Tod bin ich erst einmal begegnet.“

28. Juli 2012, nachmittags:

Die Fahrt nach München verlief wie immer. Weil ich bereits morgens meine Telefonate tätigte, war das Telefon im Auto ruhig. Dafür wummerten die Bässe aus meinem Apfelfon in die Musikanlage des Dienstwagens.

Gekürzt…

Am 21. März 2016 erscheint mein Buch NEUSTART (KLICK)!

AUSFAHRT – Gottseidank. Mit allerletzter Kraft zerre ich das Lenkrad nach rechts und flüchte von der Autobahn. Bushaltestelle. Ich bremse… Stoße die Fahrertüre auf und sinke draußen auf den Boden…

Chronologie eines Herzinfarkt. Teil 5

Wann ist ein Mensch erwachsen? Wenn er zum erstenmal Verantwortung für sich und sein Leben übernimmt… mit allen Konsequenzen. (meine Definition)

Hilft Glaube? Ja. ( Meine Definition)

28. Juli 2011, vormittags.
Um 7:30 Uhr war alles so wie immer. Meine Frau war zur Arbeit gegangen und mein Sohn radelte auf seinem Oldschool-Bike in die Schule. Wir hatten gefrühstückt wie an jedem Morgen. Und nun war ich mit meinem Hund wieder alleine wie an jedem Morgen.
Ich putzte schnell meine Zähne und zog mich an…auf gehts zum Spazieren.

Heute lag noch ein arbeitsreicher Tag vor mir mit einigen Telefonaten und Kundenbesuch in München. Deshalb fiel meine Runde mit Spike eher bescheiden aus. Nach seinem schweren Bruch acht Monate davor, waren lange Spaziergänge eher selten. Aber die 20 Minuten heute taten auf jeden Fall gut und gaben mir Freiraum nachzudenken. Der Hund lebte im Jetzt und genoß die frische Luft. Meine Gedanken lebten in der Vergangenheit. „War mein Leben in Ordnung? Habe ich viel falsch gemacht?“ Fragen, die zwar in meinen Kopf hämmerten wie eine Verkäuferin in eine alte Registrierkasse, aber ohne dass die Schublade mit der Antwort aufsprang.
Dann dachte ich an meinen Freund mit Kieferkrebs. Dagegen ging es mir blendend. „Aber wie lange noch? Bin ich auch bald dran?“ Der Gedanke beschämte mich wieder einmal. Zu oft geisterte er in letzter Zeit durch mein Hirn. Ich sollte zufrieden sein. War ich ja eigentlich auch.

Wieder zuhause angekommen bekam die Fellnase erstmal was zu fressen. Genau achtzig Gramm. Wir achten genau auf seine Gesundheit und sein Gewicht. Beim Abwiegen schmunzle ich immer…“Wäre ich nur bei mir auch so konsequent.“
Der kurze Spaziergang hatte mich wieder müde gemacht. Ich schleppte mich in mein Kellerbüro und freute mich, wie schön ich es aufgeräumt hatte.
Der Vormittag war noch mit wichtigen Telefonaten gefüllt. Dann füllte ich das System mit Aufgaben und Informationen. Genauso wie man es normalerweise tut wenn man sich in den Urlaub verabschiedet. Fertig. Jetzt noch schnell unter die Dusche.

Gekürzt…

Am 21. März 2016 erscheint mein Buch NEUSTART (KLICK)!

 

Der Bus.

In der Rubrik KURZGESCHICHTEN findet der interessierte Leser Erzählungen von mir. Die folgende schrieb ich 2007. Sie enthält nichts biografisches – dazu bin ich zu gut drauf.

Der Bus.

Neonlicht zeichnet harte Schatten in mein Gesicht. Nur die Fliegen machen Krach wenn sie durch das Gitter gegen die Röhren knallen.

Zusammengeknüllt sitz ich auf der Bank und zähl die Pflastersteine zu meinen Füssen. Die festgetretenen Kaugummireste habe ich bereits gezählt – 190.
Mich friert. Die kalte Nachtluft lässt mich wie eine Dampflok atmen.
Eigentlich müsste das Leben jetzt zu Ende sein. Erlebt habe ich nicht viel, aber mir reicht es.
Vielleicht sieht es ja morgen wieder alles anders aus. Am liebsten würd ich jetzt ne Kippe aus meinem schmutzigen Mantel kramen und sie zwischen meinen rauhen Lippen anzünden. Aber ich rauche ja schon lange nicht mehr. „Ist ungesund“ hat der Arzt gesagt. Was weiss der schon in seinem sauberen Kittel.
Genau 100… exakt 100 Pflastersteine. Also im Schnitt 2 alte Kaugummis pro Pflasterstein. Naja, die Steine unter der Bank habe ich nicht mitgezählt.

Den letzten Nachtbus habe ich verpasst. Das Leben wahrscheinlich auch.