Schlaflos.

Ich liege wach. Auf der Uhr leuchtet 3:13. Eben war es noch 2:59. Die Zeit vergeht eben doch, auch wenn man meint dass sie wenigstens schläft.

Ich liege nachts oft wach. Höre oft noch die Geräte hinter mir an der Wand und das Blubbern von Sauerstoff. Irgendwie fühle ich mich dabei nicht unwohl. Solange es nicht piepst und niemand ins Zimmer stürmt, geht es mir gut.
Ein Blick nach hinten offenbart mir dann die nackte Wand des heimischen Schlafzimmers.
Die Nächte im Krankenhaus waren zunächst schrecklich. Ich schlief meist erst gegen Mitternacht ein. Als ich dann nach einem tiefen Schlaf wieder aufwachte, sind gerade mal zwanzig Minuten vergangen. Es folgten drei Stunden Wachphase.
Nicht mehr ganz so ausgeprägt, aber ähnlich, erlebe ich das heute noch ab und zu – ein Jahr danach.
Es ist keine Schlaflosigkeit im eigentlichen Sinne. Ich benötige einfach viel weniger Schlaf als vor dem Infarkt, am nächsten Tag bin ich ja fit. Die Nacht wurde zu meinem Begleiter, ich habe mich daran gewöhnt. Am liebsten lausche ich dann meinem Herz. Durch die umgeleiteten Brustarterien schlägt es viel stärker als früher. Ich liege dann meist auf der Seite und höre im Kopfkissen den Herzschlag. Gleichzeitig spüre ich die Herzmuskeln wie sie das Blut in meinen Körper pumpen. Ein gutes Gefühl.

3:25 zeigt die Uhr jetzt.
Es war, so glaube ich, am dritten Tage nach der Herz-OP. Es war genau 3:25 auf meinem Apfeltelefon… Mein Puls ging wohl hoch und löste einen Alarm aus. Die schwere Tür öffnete sich und meine junge Schwester wehte herein. Sie prüfte die Geräte hinter mir und drehte irgendwelche Schrauben. (Ich nenne sie hiermal Marina)
Marina streichelt mir über den Kopf…
„Wie geht es Ihnen?“
„Gut, Danke. Ich muss so oft Husten, der Hals tut mir weh.“
„Das kommt noch vom Schlauch, den Sie während der OP im Hals hatten. Ich bringe Ihnen nochmals was.“
„Was würde ich ohne Sie tun. Ich bin froh, dass es Sie gibt!“
Ich war wirklich froh und zog echt meinen Hut vor ihrer Arbeit als Krankenschwester. Übrigens natürlich auch der anderen. Aber Schwester Marina kümmerte sich besonders liebevoll.
Mit meinen Worten habe ich bei Ihr aber einen Knopf gedrückt.
Schluchzend brach sie an meinem Bett zusammen und fing an zu weinen.
„Was ist los Marina?“
„Nichts…“ schluchzte sie.
„Das seh ich.“
„Und was könnte sein?“
„Ach, wichtig ist dass es Ihnen gut geht. Sie hatten eine OP,“ bemühte sie sich um Fassung.
Doch dann fing sie zu erzählen an… von ihrer Schichtarbeit, den immer weniger werdenden Freunden und dem Freund, der mit ihr Schluss gemacht hat. Da bekam sogar ich Tränen in die Augen.
„Und Sie wurden am Herz operiert und ich belaste Sie mit meinem Kram.“
Ich streichelte Ihren Arm und wir weinten beide eine Weile.
„Sie machen das alles so toll. Sie sind ein Engel. Irgendwann kommt der Richtige für Sie, der das zu schätzen weiß. Sie können hier so vielen Menschen helfen… Geben Sie nicht auf!“ wir sprachen noch eine Zeitlang miteinander und ich versuchte sie zu trösten.
Nach einer Weile schluchzte sie ein wenig erleichtert. Hustend reichte Ihr ein Taschentuch damit sie sich die Nase putzen konnte.
„Ich hole Ihnen jetzt was gegen den Husten… und Danke nochmal.“ Leise schlich sie sich aus dem Zimmer.

Mir ging es gut. Vielleicht konnte ich ihr nur ein bischen helfen – ich hoffte es. Mich ganz für Ihre Arbeit zu revanchieren war eh nicht möglich. Dafür leisten Krankenschwestern zu viel. Schwester Marina ganz besonders.

Als ich aufwachte, war es draussen bereits hell. Der Hustensaft stand auf dem Nachtkästchen mit einem Zettel daneben. „Sie hatten so fest geschlafen… Danke nochmal!“

Hier ist es bereits 4:03. Zeit, das Apfeltelefon aus der Hand zu legen um noch etwas zu schlafen.

Gute Nacht und Guten Morgen…

Oliver 2.0

Chronologie eines Herzinfarkt. Teil 4.

Wer kennt es nicht dieses Gefühl – irgendwas passiert gleich aber ich bin regungslos? Ich frage mich das oft wenn ich die dreieckigen Schilder mit dem schwarzen Reh darauf sehe. Oder ist es ein Hirsch? Vorsicht Wildwechsel!
Die Waldtiere queren nachts die Straße und wenn ein Auto angerast kommt, blicken sie verwirrt in die Scheinwerfer.

Verdammt, warum rennen sie nicht einfach weiter? Bleiben blöd stehen und warten bis es passiert…selbst schuld.

Vor knapp einem Jahr, 24. Juli 2011:
Es war ein Sonntag. Wie das Wetter war weiß ich nicht mehr. War auch egal, denn ich hatte plötzlich das Bedürfnis mein Büro aufzuräumen. Mein Homeoffice sozusagen.
Mein Büro folgte einer chaotischen Ordung, welche ich perfekt beherrschte. Ein Genie eben. Aber weil ich diese guten Vorsätze hatte, alles anders zu machen, alles umzukrempeln, fing ich an diesem Sonntag in meinem Kellerbüro an. Fanatisch sortierte ich Rechnungen und Auftragsbestätigungen, Versicherungspapiere, Briefe und Kontoauszüge unter den Blicken meiner Familie.
Meine Frau zweifelte an meinem Verstand, so wild wirbelte ich in meinem Keller. Wenn man als Außendienst viel unterwegs ist sammelt sich auch viel an.
Ich sortierte, shredderte und lochte was das Zeugs hielt. Der Sonntag sollte nicht reichen… Gleich am Montag machte ich weiter, der Dienstagabend war damit gefüllt und auch noch der Mittwochabend. Die Abfälle fuhr ich auf den Recyclinghof.

Am Donnerstagfrüh, den 28. Juli war mein Schreibtisch leer, meine Aufgaben in der Firma verteilt.

Gekürzt…

Am 21. März 2016 erscheint mein Buch NEUSTART (KLICK)!

Was für’s Herz…mein Hund.

Etwas für's Herz...mein Hund.

Das ist Spike, eine männliche Französische Bulldogge – ein Bully also. Und er ist der beste Therapeut, den ich mir wünschen konnte.

Wir beide haben schon einiges erlebt. Im zarten Alter von 5 Monaten brach er sich das Kniegelenk des Vorderlaufs. Mit Schrauben und Splinten wurden die Knochen fixiert. 7 Wochen Ruhe… bei einer halbjährigen Bulldogge. Hundebesitzer wissen was dies bedeutet. Weiterlesen „Was für’s Herz…mein Hund.“

Wissenswertes

Eigentlich plante ich eine Rubrik Wissenswertes und Ratschläge. Ich wollte Informationen über Herzinfarkt, Therapien, Cholesterin und Medikamente sammeln und hier für Interessierte posten.
Nun habe ich mich dagegen entschieden.
Es käme einer Empfehlung über PCs gleich. Frage 10 Leute und Du bekommst 20 Antworten. Und am nächsten Tag wäre eh wieder alles ganz anders.
Ausserdem bin ich kein Arzt, ich habe kein tiefergehendes Fachwissen. Ich weiß nur das, was ich am eigenen Leib erfuhr.
Die Informationen über Herzinfarkt, seine Entstehung und Behandlungen sind so vielschichtig wie der Mensch selbst.

Nur ein Tipp meinerseits: Vergiss die guten Ratschläge in Foren oder ähnlichem. Es ist Deine Gesundheit, Deine Verantwortung. Solltest Du hinsichtlich Gefäßverengung oder Bluthochdruck gefährdet sein, hilft nur ein Arzt, ein Facharzt – Kardiologe.
Nur mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit ist eine Lösung findbar. Verharmlose nichts und nimm Deinen Körper ernst.

Im Ernstfall reduziert sich die Hilfe auf 3 Ziffern:… 112, in Worten eins-eins-zwei.
Das ist die Notfallnummer bei Herzinfarkt. Dort wird Ihnen geholfen. 🙂

Ein großer Teil überlebt den Herzinfarkt nicht. Gründe unter anderem:
– Ich geh gleich morgen früh zum Arzt.
– Das wird schon wieder.
– Nur Sodbrennen.
– Ist nur Zahnweh.
usw…

Jetzt bin ich doch tiefer eingestiegen als ich wollte. Musste aber sein. Mehr Informationen finden sich in meiner Chronologie wieder. Ich betone… MEINE Chronologie. Was bei mir gut war kann bei anderen schlecht sein und andersrum. Ich hoffe, ich sorge nicht für zusätzlichen Wirrwarr.

Die sogenannten Tipps verpacke ich in der Rubrik GUTES FÜRS HERZ. Dort kommen die Dinge rein, welche mir persönlich halfen. Wie zum Beispiel mein Hund. Nein, der hat nicht meine Tabletten aportiert. Die hätte er gefressen, denn er ist nicht wählerisch. Ach was schreib ich hier… Demnächst eben als neuen Post – mein Hund! Hier.

In diesem Sinne hör ich für heute auf.

Oliver 2.0

Chronologie eines Herzinfarkt. Teil 3.

Ich bin müde, unbeschreiblich müde. Ich gehe abends früh ins Bett und wenn ich morgens aufwache bin ich müde. Ich bin unsportlich geworden, wiege über 100 kg und bekomme schlecht Luft. „Du siehst aber gut aus“, sagen viele. Sind die blind? Meine Frau nicht:“Wenn Du so weitermachst bist Du bald fällig!“

Juni, vor einem Jahr:
Endfertig, erkältet und erledigt lande ich beim Hausarzt.
„Sie sind ja schon wieder erkältet..“
„Ja, ich kann nicht mehr.“
„Zur Zeit geht eine Sommergrippe um. Haben Sie was zuhause?“
„Ja, das Zeugs nehme ich schon die Ganze Zeit.“
„Zur Sicherheit nehmen wir mal Blut ab.“

Am nächsten Tag schleppe ich mich wieder dorthin.
„Tja, die Werte schauen nicht schlecht aus. Wobei man sieht, dass Ihr Körper mit einer Erkältung kämpft. Das mit dem Cholesterin wissen Sie?“
„Ja.“
„Nehmen Sie Tabletten?“
„Gegen Cholesterin? Nein? Wie hoch ist es denn?“
„Gesamt bei 280.“
„Oh, dann ist es aber um einiges niedriger als früher. Ich vertrage die Tabletten nicht.“
„Sie sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen“, meint der Arzt ehrlich besorgt.
„Nein, ich werde es nochmals mit der Ernährung versuchen. Ich komme dann Ende Juli um nochmals Blut abzunehmen.“
„Okay, es gibt nämlich neuere und verträgliche Tabletten. Ich schreibe Sie krank, oder wollen Sie das wieder nicht?“
„Nein.“

Mein Arzt hatte es nicht leicht mit mir. Krank schleppte ich mich durch die Arbeit. Wenigstens dort brachte ich meine Leistung. Privat schlief ich nur noch.

GEKÜRZT! …

Am 21. März 2016 erscheint mein Buch NEUSTART (KLICK)!