Was für’s Herz… beim Bäcker.

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Mein Sohn ist 13, mitten in der Mutation, äh Pubertät. Der Abnabelungsprozess ist im vollen Gange. Die Nabelschnur saugt sich langsam im USB-Anschluss seines Computers fest.

Dieser Rahmenbedingung habe ich es zu verdanken, dass mir in letzter Zeit immer mehr auffällt, dass Väter ihre kleinen Kinder am Sonntagfrüh mit in die Bäckerei schleppen um Semmel (Brötchen) zu holen. Das hat wahrscheinlich zwei Ursachen: Zum einen weil vielleicht so auf frühpadogogisches Einwirken hin, der sogenannte Abnabelungsprozess nach hinten verschoben oder gar aufgehoben werden kann. Wahrscheinlicher ist aber Punkt 2 – die Worte der Gattin zuhause, welche sich ungefähr so angehört haben: „Nimm Du die Kröte mit bevor ich ausflippe. Ich will mich einmal wenigstens morgens in Ruhe richten. Schau mal wie ich aussehe. Die ganze Woche mach ich den Deppen für Euch und Ihr….“. Die letzten Worte bekommen Vater und Kind nicht mehr mit, da sie schon auf dem Weg in die Bäckerei sind. Natürlich sind sie schneller wie ich – genau 30 Sekunden sozusagen. Denn ich habe immer alle vor mir. heute ist es ein Vater mit so knielangen Hosen und Birkenstock mit seinem kleinen Sohn. Wie alt das Kind ist, kann ich nicht sagen. Irgendwas um die 3 vielleicht. Beide tragen auf jeden Fall einen Fahrradhelm, auch in der Bäckerei. Das Unfallrisiko kann so auf Null reduziert werden.

Meine Gesichstauszüge entspannen sich – ich atme tief ein und wieder aus. Denn jetzt geht es gleich los:

BFVK (Bäckereifachverkäuferin): „Guten Morgen! Was darfs denn sein?“

Vater: „Heute darf der kleine Kevin bestellen!“ Lächelt sein Kind an. „Kevin, sag der Tante was Du möchtest!“

Kevin: „Tante!“ Lacht.

Vater:“Komm sag was Du gern hättest!“

Kevin lacht weiter. Die Tante nicht.

Vater:“Na sag schon!“

Kevin:“Worscht!“

Vater: „Nein Kevin, Wurst gibt es hier nicht!“, berichtigt der Vater seinen Sohn.

Kevin: „Will Worscht haben!“

BFVK: „Der ist ja süss!“ und denkt, so ein Balg.

Ich wechsle inzwischen regelmässig mein Standbein um keine Trombose zu verursachen. Das könnte ne lange Geschichte werden. Ist zwar momentan nur der Vater vorn, aber die ältere Dame, gleich dahinter und ich sind schon etwas nervös.

Vater: „Kevin, das ist eine Bäckerei. Da gibt es Semmeln und Brezeln und Brot und Kuchen.“

Kevin: „Und Worscht.“

Vater: „Nein! Es gibt keine Wurst!“

BFVK: „Wir hätten auch Wurstsemmeln.“

Vater: „Nein. Wir wollen keine Wurstsemmel!“

BFVK: „Was darf es denn dann sein?“

Vater: „Kevin – sag jetzt was ich Dir gesagt habe, was Du sagen sollst!“

Das Kind blickt seinen Vater fragend an.

Vater: „Geben Sie uns eine Brezel bitte!“ Wütend und trotzdem wahnsinnig pädagogisch blickt er den kleinen Kevin an, der nun die Welt nicht mehr versteht. Und wenn ein Kind die Welt nicht mehr versteht, tut es was? Genau – Es weint. Nein, es schreit. Und zwar schreit Kevin so laut, dass alle Wartenden langsam Schweissausbrüche bekommen und überlegen, ob sie handelnd eingreifen sollten und einfach Vater und Sohn rauswerfen. Handeln ist aber unnötig. Selbst angenervt zahlt der Vater und ist wahrscheinlich über seinen pädagigischen Fehlversuch irritiert. Geschützt vom Fahrradhelm verlassen beide mit der Brezel die Bäckerei.

Gottseidank…nur noch die ältere Dame vor mir.

Alte: „Geben Sie mir bitte 4 von den Semmeln da vorn!“

Na also geht doch. Oder?

Alte: „Moment, nein. Mein Mann kann zur Zeit schlecht kauen. Wissen Sie, er war doch beim Zahnarzt. Ich muss was ohne Körner nehmen. Was können Sie da empfehlen?“

Ich bin ein Meister im Ausblenden. Un momentan blende ich die Alte und die ganze Bäckerei aus. Ich liege am Strand unter Palmen und geniesse einen leckeren Cocktail. Es ist heiss, unglaublich heiss. Aber es geht mir gut, so ganz alleine hier… In der Palme schreit ein Papagei…

„Hallo! Was möchten Sie!“

Ich: „Wie? Was? Achja…. Äh… Sind die anderen schon fertig? Gut.

BFVK: „Ja, Sie sind dran. Was darf es sein?“

Ich: „Was ist Gruppensex in einer Bäckerei?“

BFVK: „Wie bitte?“

Ich: „Was ist Gruppensex in einer Bäckerei?“ Der ganze Laden verstummt. Selbst die ganzen Wespen über den Apfeltaschen bleiben sitzen und blicken zu mir auf… Totenstille.

Ich: „Gruppensex in einer Bäckerei ist, wenn drei Amerikaner auf einer Schnecke liegen!“

Der musste raus. Einen schönen Sonntag!

Euer Oliver 2.0

Aufreger der Woche… Landknechte.

Also ein richtiger Aufreger ist es ja nicht…dank meiner Betablocker. Aber Gedanken mache ich mir schon ein bischen über unseren Hang zur Historie.

Das kam so…

In Bayern haben die Ferien begonnen. Wir bleiben hier – zur Freude meines Sohnes, zum Leid meiner Frau. Wo soll man auch hin? Zum Schwitzen nach Malle? Oder zum Schwitzen nach Griechenland? Könnte aber auch zum Schwitzen nach Italien. Nö, da schwitzen schon die anderen. Wir bleiben hier. Also Heimatprogramm. Tageszeitung aufgeschlagen und nachgeschaut was man so am Wochenende machen könnte. Also da hat man die Wahl zwischen Ritterturnier, Mittelalterfest, Landknechttreffen, Wallensteinfest usw…

Äh… auf der Welt wird gekämpft, gedroht, geklaut, gehungert, geschossen, gemordet, geplündert, geflüchtet…. aber wir hier, zumindest im Süden von Deutschland, nähen uns selbst Klamotten und gehen auf Mittelaltermärkte. Dort sieht man dann andere bestrumpfte Erwachsene in Birkenstocks wie sie zwischen den Kämpfen literweise Gerstensaft in sich reinschütten – aus Hörnern natürlich. Es werden Kriegsszenen nachgespielt, gefechtet und gegrillt… und natürlich gibt es Applaus vom Volk. Entschuldigung – Handgeklapper.

Unser Hang zur Historie erscheint mir abstrakt. Naja, war ja schon ne coole Sache – das Mittelalter und der dreissigjährige Krieg. Das kann man schon zelebrieren. Hat es uns Deutsche doch über die Jahrhunderte geprägt – diese düstere Vorzeit in unseren Gefilden.

Pest und Cholera hatten schon etwas von Romantik. Viel Applaus, Entschuldigung – viel Handgeklappere bekommen eben deshalb auch die Aussätzigen-Gruppen, welche wie Leprakranke zerlumpt und fetzig mit ihrer Klingel durch die Marktgässchen schleichen. Da gibt es Zauberer, welche sich Druiden nennen (nicht zu verwechseln mit Droiden). Es gibt Hexen die mit exotischen Gewürzen handeln und komischerweise so aussehen wie die Kassiererin im Supermarkt. Nicht fehlen dürfen natürlich die Lederhandwerker mit ihren schwarzen und nietenbesetzten Accessoires. Das Publikum direkt vor dem Stand, stammt aus der gegenwärtigen S/M-Szene, welche mangels Shoppingmöglichkeiten im ländlichen Unterallgäu zu den Stammgästen zählen. Gleich dahinter warten die Emo’s und Gothics. Diese erkennt man an den schwarzen Lippen, schwarzen Nägeln und überhaupt an allem Schwarzen. Im Gegensatz zu den S/M-lern sind ihre Piercings meist mit Fabelwesen verziert.

Das letzte Mal, als ich einem solchen Fest beiwohnte, war in Mindelheim. Dort wurde ebenfalls eine Schlacht dargestellt. So richtig mit Landknechten und echten Kanonen, welche es druckvoll knallen liessen.
Mitten im größten Kampfgetümmel verstummte plötzlich alles. Ich dachte schon, dass diese Pause für die Pressefotografen gilt, damit schöne Fotos gelingen. Dann wurde aber das Schlachtfeld geräumt. Die Toten und Schwerverletzten standen artig auf und räumten die Wiese. An einer Kanone gab es heftige Diskussionen.

Ach, ich kürze hier ab: Ein Akteur hatte sich beim Laden der Kanone verschätzt… das Ding ging los, mit ihm ein paar seiner Finger. Diese lagen nun irgendwo verstreut. Landknechte und Adlige hielten plötzlich zusammen – gingen Hand in Hand nebeneinander ganz langsam über das große Feld und suchten gemeinsam die Finger. Es war eine sehr friedliche und ruhige Szene, welche ich und die vielen anderen Zuschauer dann mangels Action aber verliessen.

Tja, so gefährlich kann der dreissigjährige Krieg sein.

Also zurück mit den anderen auf den historischen Markt. Natürlich zahlt man nicht mit Euro, sondern Talern, Gulden o.ä. Momentmal… das macht das Mittelalter dann doch wieder sympathisch.

Egal, ich mag nicht mehr hin. Zuviel des guten.

Klagt mich ruhig an – an den Pranger mit dem humorlosen Knappen! Naja, der dreissigjährige Krieg ist eben auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen.

Handgeklappere!

Euer augenzwinkernder Oliver 2.0

Ein Interview.

Frau A: „Herr 2.0, heute, vor genau einem Jahr, erlitten Sie einen schweren Herzinfarkt. Wie geht es Ihnen heute?“

Herr 2.0: „Mir geht es gut. Nein… mir geht es sehr gut.“

Frau A: „Auf was führen Sie das zurück?“

Herr 2.0: „Dass es mir gut geht? Das hat viele Ursachen. Sport, Ernährung und die Tatsache dass ich noch am Leben bin.“

Frau A: „Und wie ist das mit dem Stress? Haben Sie beruflich einen Gang zurückgeschaltet?“

Herr 2.0: „ich glaube, man kann in den wenigsten Berufen einen Gang zurückschalten. In meinem überhaupt nicht. Ist auch nicht nötig.

Frau A: „Nicht?“

Herr 2.0: „Das Leben bietet privat noch genügend Gestaltunsmöglichkeiten. Da muss man den Hebel ansetzen. Genau da passieren auch meist die Fehler, welche dann den Stress auslösen. Kurz gesagt – wenn es im privaten stimmt, wenn ich dort meinen Ausgleich habe, kann mir der Stress im Geschäft nichts anhaben.“

Frau A: „Sie würden aber schon auch Stress als Ursache für Ihren Herzinfarkt ansehen?“

Herr 2.0: „Das haben Sie gesagt… Nein. Stress verstärkt Symptome wie zum Beispiel Bluthochdruck. Bei mir liegt aber das Übel in zu hohem Cholesterin.“

Frau A: „Wobei über Cholesterin viel spekuliert wird.“

Herr 2.0: „Ich spekuliere nicht. Man hat mir den Brustkorb aufgesägt und mein operierender Arzt hat mir von meinen Herzkranzgefässen erzählt. Diskussionen über Cholesterin gibt es in den Medien und Büchern. In Großhadern gibt es die Diskussion nicht. Deren Meinung schließe ich mich an.“

Frau A: „Sie vertrauen Ihren Ärzten?“

Herr 2.0: „Ja. Ohne dieses Vertrauen wäre ich nicht so schnell genesen. Ohne Vertrauen wäre ich nicht so entspannt in die Op.“

Frau A: „Sie sind entspannt in die Op?“

Herr 2.0: „Genau. Ich wusste, jetzt werden alle Zähler auf Null gesetzt – ein Reset sozusagen.“

Frau A: „Lassen Sie uns über heute sprechen. Ihnen geht es gut wie Sie sagen. Verblassen nun allmählich die Erinnerungen und ist das nicht gefährlich?“

Herr 2.0: „Die Gefahr besteht nicht. Ich sehe jeden Morgen im Spiegel eine große Narbe auf meiner Brust. Jeden Morgen und jeden Abend nehme ich je zwei Tabletten zu mir. Manchmal glaube ich, den Titandraht in meiner Brust zu spüren, je nach Wetterlage. Und jedes Mal wenn ich Fahrrad fahre bin ich im Prinzip auf der Flucht vor einem neuen Herzinfarkt. Nein, da verblasst nichts. Die Erinnerung ist voll da und der Herzinfarkt gehört zu meinem Leben.
Aber, und darüber bin ich froh – der Herzinfarkt ist ja keine Krankheit. Es ist ein Ereignis in der Vergangenheit. Aber ein Wendepunkt in meinem Leben.“

Frau A: „Warum schreiben Sie einen Blog über Ihren Herzinfarkt?“

Herr 2.0: „Es gibt in Deutschland fast 1.000 Infarkte täglich. Sehr viele sterben daran. Ich möchte ein wenig Licht aus Patientensicht in die Sache bringen. Es gibt viele Informationsmöglichkeiten über die Entstehung usw. Das fatale daran, es interessiert erst, wenn es zu spät ist. Dabei ist es so einfach nur ein wenig gesund zu leben.“

Frau A: „Sie glauben, dass Sie die Menschen vorher erreichen?“

Herr 2.0: „Nein, ich befürchte nicht. Aber es sind mir auch die anderen Flatliner wichtig, welche bereits einen hatten. Viele fallen danach in eine Depression. Für viele scheint das Leben zu Ende. Vielleicht erreiche ich die ja, oder ihre Angehörigen und Freunde. Denn es fällt doch vielen schwer auch darüber zu reden. Deshalb mache ich meine Klappe auf.“

Frau A: „Da kann man Ihnen nur Glück wünschen und dass Sie weiterhin das Leben geniessen.“

Herr 2.0: „Oh nein… Ich geniesse nicht das Leben. (lacht) Das Leben ist oft viel zu hart um es auch nur annähernd geniessen zu können. Ich genieese die kleinen Momente, welche das Leben ebenfalls bietet. Das sollten Sie auch tun… Geniessen Sie die kleinen Dinge im Leben! Die gibt es umsonst und machen Spass.“

Frau A: „Gestatten Sie mir zwei Fragen zum Schluss… Wie begehn Sie diesen heutigen Jahrestag und wieso nennen Sie sich 2.0?“

Herr 2.0: „Ich gehe heute abend schön essen. 2.0 nenne ich mich, weil ich Ausgabe 2 bin. Ein Update sozusagen. Da ist noch Luft nach oben (lacht).“

Frau A: „Vielen Dank für dieses Gespräch Herr 2.0.“

Herr 2.0: „Bitte, gern geschehen.“

Dieses Interview wurde am 28. Juli 2012 nach dem Frühstück aufgezeichnet. Interviewerin war Frau A mit ihrem Gast Herr 2.0.

Batman. Wir wollen es düster!

Ich weiß nicht… noch dunkler, noch negativer soll der neue BatmanFilm sein. „The Dark Knight Rises!“- der dunkle Ritter steigt auf. Warum eigentlich? Um uns zu retten? Vor dem Euroverfall? Vor korrupten Politikern? Nein, um Kasse zu machen. Ist ja auch ne teure Hollywoodproduktion.

Früher war ich ein richtiger Batman-Fan. Und eigentlich wollte ich auch in den neuen Film. Aber je größer der Hype um seine Düsterheit und die apokalyptischen Visionen wird, umso mehr stell ich den Film für mich in Frage.
Sehnen wir uns so nach Negativem? Nach Dunkelheit, Angst und Hass? Oder benötigen wir immer verzerrtere Vorstellungen um das Hier und Jetzt ein wenig besser erscheinen zu lassen?
Der Amoklauf in den Staaten bei der Premiere sorgt für zusätzlichen Zündstoff und Diskussion. Oder tut er das nicht? Nein, das alles hat nichts mit solchen Filmen zu tun, wird beteuert. Der Amokschütze hatte ja auch orange Haare und keine grünen wie der Joker. Auf die letztere Tatsache sind momentan besonders viele Journalisten und Kritiker stolz – tolle Recherche. Dabei weiß das doch jedes Kind.
Mir tun die Opfer leid. Sie wollten einen Film über Gewalt und einen Helden sehen und kamen nun selbst durch Gewalt um. Und die Realität? Es taucht kein Held auf um sie zu rächen. Aber zumindest tauchte Christian Bale auf – im Krankenhaus bei den Überlebenden. .

Ich werde mir den Film diesmal nicht ansehen. Ich mag Actionfilme, aber ich bin diese Untergangszenarien leid.
Die Realität ist hart genug – da muss ich nur die Nachrichten ansehen.

Und überhaupt… seit ich einen anderen Blickwinkel auf den Tod bekam, muss ich mir denselben nicht auch noch für die Abendunterhaltung wählen.
Meine Totenkopf-T-shirts bleiben ja auch inzwischen alle im Schrank. Motorradfahren geht auch so.

Wer ähnlich denkt wie ich, aber trotzdem ein Faible für Batman-Filme hat – dem biete ich eine Alternative in diesem Artikel – einen youtube-Link. Nämlich das Original von 1966! Da war ich gerade mal zwei Jahre alt – die Welt war noch in Ordnung. Zumindest meine Welt.
Ich musste aber erst noch 10 Jahre warten bis ich das Original zum ersten mal sah. Es war in einem barockes Kino in Bremen. Seit damals tobte in mir eine Gewissensfrage: Wer ist besser? Batman oder Spiderman? Heute weiß ich es – The Iron Man. 🙂

In diesem Sinne,

Oliver 2.0
P.S.: Allen anderen wünsche ich natürlich trotzdem einen vergnüglich düsteren Kinoabend.